Anreise und erste Eindrücke.
Nein, der Wecker klingelt heute nicht, dennoch erwachen wir sehr früh. Die Vorfreude treibt uns aus dem Bett, und schon um 05:00 Uhr sind wir startklar.
Die Strassen sind menschenleer, und so kommen wir gut vorwärts. Einzig am Gubrist verengt sich die Strasse auf eine Spur und im Tunneleingang stehen zwei Polizeiautos quer zur Strasse. Tröpfchenweise werden die Autos durchgelassen, nachdem ein Beamter mit der Taschenlampe ins Wageninnere geleuchtet hat. Als wir an der Reihe sind, werden wir durchgewunken. Aha, offenbar gehören wir nicht zur gesuchten Kategorie. Weiter geht es westwärts. Kurz nach Bern machen wir auf einem Rastplatz einen Halt und gönnen uns ein Zmorge mit Espresso und Zopf.
Der Tag erwacht, als wir das Freiburgerland durchqueren, und am Genfersee scheint die Sonne auf die goldenen Rebberge. Kurz darauf kommen wir an die Grenze. Flüssig passieren wir diese und sind nun in Frankreich. Ein Stück geht es auf der Autobahn weiter, bis wir zur ersten Mautstation kommen. Wir ziehen unser Ticket und weiter geht’s für mehrere Stunden südwärts. Je nach Region verändert sich die Landschaft, und wir sichten die ersten Lavendelfelder, riesige Nussplantagen oder auch mal eine karge Felslandschaft. Alles in allem eine sehr abwechslungsreiche Fahrt.
Nach rund sieben Stunden erreichen wir Orange und stellen unser Womo auf einem grossen Parkplatz neben dem antiken römischen Theater ab. Am Sonntag kann man hier kostenlos stehen. Nur wenige Schritte sind es bis zu diesem imposanten römischen Bau, der halbrund angelegt ist. Die Bühne befindet sich an der Längsseite. Ganz oben thront die Statue von Kaiser Augustus. Mit dem Eintritt von 9.50 Euro ist man dabei, allerdings ist die Bühne gerade eingerüstet, und überall steht Baumaterial herum, zudem sind die ehemaligen und mittlerweile zerstörten Zuschauerränge etwas nüchtern durch moderne Betonstufen ersetzt. Trotzdem ist es interessant anzuschauen, wenn man sich vorstellt, wie es hier zu Römerzeiten zu- und hergegangen sein muss. Nimmt man die Mühe auf sich, den Colline St. Eutrope auf einem kurzen, aber steilen Weg zu erklimmen, hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt und das Theater.
| Römisches Theater |
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| Orange |
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| Stadtgründungstor |
Nun ist es aber Zeit fürs Mittagessen. Wir wärmen uns etwas Mitgebrachtes, das geht am schnellsten. Dann fahren wir am Stadtgründungstor, fälschlicherweise auch Triumphbogen genannt, vorbei wieder Richtung Norden. Nach wenigen Kilometern erreichen wir östlich von Piolenc unseren Übernachtungsplatz bei einem Obst- und Gemüsebauern. Im hinteren Teil seines Hofes sind schöne Parzellen angelegt, abgetrennt durch Oleanderhecken. Mittlerweile hat die Sonne die Wolken vertrieben, und wir geniessen einen herrlich milden Nachmittag inmitten der Natur. Gegen 20 Uhr radelt der junge Bauer vorbei und kassiert ein. 10 Euro gehen für diesen schönen Platz klar.
Fontaines de Vaucluse und Roussillon
An unserem zweiten Reisetag erwachen wir erst um 08:30 Uhr. Das ist uns schon lange nicht mehr passiert – ein gutes Zeichen! Unser erstes Ziel, ein McDonald’s. Wir zapfen das WiFi an, um uns im ausländischen Netz für den mobilen Internetzugang zu registrieren und dann geht's los Richtung Roussillon. Unterwegs fallen uns immer wieder Wegweiser auf, und wir beschliessen spontan, einen Abstecher nach Fontaines de Vaucluses zu machen. Im Hintergrund sehen wir den Mont Ventoux, rechts den Lubéron. Im Dorf führt ein schöner Spazierweg zur Quelle der Sorgue. Aus dem Boden und den Felsritzen sprudelt das Wasser empor und wird schnell zu einem beachtlichen Fluss. Während der Schneeschmelze sollen so 22 m3 Wasser pro Sekunde fliessen. Heute sind es knapp 7 m3. Ein beeindruckendes Schauspiel!
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| Fontaine de Vaucluse |
Unterwegs halten wir an einem Stand und decken uns mit Früchten und Gemüsen ein. Es sei Saisonende, und daher alles zu einem guten Preis zu haben, meint der Verkäufer. Dann beklagt er sich noch über den heute aufgekommenen Mistral, der jeweils drei Tage dauere und sehr unangenehm sei, da er kühle Temperaturen bringe, aber auch für schönes Wetter sorge. Der dunkelblaue Himmel bestätigt dies.
Nach etwa einer halben Stunde erreichen wir Roussillon. Wir parken etwas ausserhalb und stellen uns zu den anderen bereits geparkten Womos. Im Ort selbst steuern wir als erstes den Ockerweg an. Für 2.50 Euro pro Person bekommen wir ein Ticket. Schon kurz danach stehen wir in einer Art Grube, rundherum leuchtend rote, orange, gelbe, und eben ockerfarbene Felsen, dazu der stahlblaue Himmel – die Kamera hat ganz schön viel zu tun. Danach führt ein Weg durch den Wald, immer wieder sind Felsformationen zu sehen, dazu einige Informationstafeln. Auch das Städtchen selbst hat einiges zu bieten. Wir bewundern die in allen Schattierungen getünchten ockerfarbenen Fassaden, einige Künstlerateliers und viele hübsche geschmückte Eingänge. Das Ölmuseum ist kostenlos und besteht aus zwei kleinen Kellerräumen mit alten Gerätschaften, Amphoren und Infotafeln. Wieder zurück am Platz schaut der Womo-Nachbar aus Pforzheim vorbei. Wir plaudern ein wenig, tauschen Reisetipps aus und ziehen uns schon bald wieder in unsere Womos zurück. Der Mistral ist wirklich ein frischer Wind. Den Abend verbringen wir im Womo und lassen ihn mit einem Film aus unserem Archiv ausklingen. Was uns vom heutigen Tag durch die Provence bleibt: Lavendelfelder (auch ohne Blüten sind die akkuraten Reihen beeindruckend), Olivenbäume, Pinienwälder, Zypressenallen und jede Menge Ginstersträuche am Strassenrand.
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| Roussillon |
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| Ockerpfad (Sentier des ocres) |
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| Eindrückliches Farbenspiel |
| Stimmungsvoller Ort |
Colorado provençal
Tag 3 unserer Reise: Der Mistral zeigte letzte Nacht, was er kann und rüttelte ganz schön am Womo. Heute jedoch ist davon nichts mehr zu merken, und die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Rustrel heisst das nächste Ziel, das wir in nur 20 Minuten Fahrt erreichen. Hier steuern wir zuerst die Bäckerei im Dorf an, dann checken wir kurz nach neun Uhr im Campingplatz Colorado ein. Für 22.60 Euro inkl. Strom wird uns eine grosse Parzelle zugeteilt. Es hat nur noch wenige Gäste hier, so sind die nächsten Wohnmobilisten ein ganzes Stück entfernt. Gleich hinter dem Gelände bzw. schon mittendrin beginnt das zweite grosse Gebiet mit Ockerfelsen, genannt Colorado Provençal. Nach einem ausgiebigen späten Zmorge marschieren wir los und können uns nicht satt sehen an diesen prächtigen Farben. Rot, rosa, gelb und braun leuchten die Sandwände in der Morgensonne, und wir kraxeln den halben Vormittag rauf und runter für die besten Aufnahmen. Immer wieder gibt es ein tolles Farbenspiel einzufangen.
Zurück am Platz legen wir uns für den Rest des Nachmittags faul in die Sonne, lesen, plaudern, und geniessen zum Zvieri eine Cavaillon-Melone aus dem nahegelegenen Cavaillon, herrlich süss und aromatisch!
Ein Abendspaziergang führt uns auf einem gewundenen Schotterweg auf die oberste Ebene des terrassierten Campingplatzes, von wo aus man eine wunderbare Sicht auf das Tal und die Lavendelfelder hat. Morgen wollen wir uns einen dritten, bekannten Platz mit schönen Ockerfelsen anschauen.
| Ockerfelsen |
Colorado provençal in Rustrel
Der erste Gang ist heute zur Reception. Dort können wir unser Baguette abholen. 1,30 Euro kostet das warme, knusprige Brot. Nun sind wir gestärkt für den heutigen Tag. Die erste Etappe dauert nur ein paar Minuten, dann stehen wir am Parkplatz des Colorado Provençal. Die nette Dame im Kassenhäuschen knöpft uns 8 Euro ab, dann dürfen wir rein. Eigentlich wollen wir hier gleich übernachten, das ist seit letztem Juni leider nicht mehr gestattet. Es wären wunderbare Plätze unter Bäumen gewesen. Egal, uns interessieren erst mal die Felsen hier. Nach einer kurzen Wanderung durch einen Pinienwald erreichen wir den Eingang zum Colorado. Wir sind überwältigt vom Panorama, das sich uns bietet. Rechts hohe, tiefrote Felsen, geradeaus ein gelb-sandiger Hügel, und der Boden ist eher crèmefarben. Alle Schattierungen sind vertreten, und die milde Herbstsonne zusammen mit dem blauen Himmel ergeben ein Bild wie in einem amerikanischen Nationalpark - oder wie in Australien! Wir knipsen nach links und nach rechts, klettern rauf und runter und können uns kaum satt sehen. Gut markierte Wege führen uns ungefähr zwei Stunden durch das ganze Gebiet. Immer wieder ändern sich die Felsformationen und die Farben. Ein interessantes Detail: Die Franzosen sind sehr höfliche Leute. Wenn man sich unterwegs begegnet, wird immer mit einem fröhlichen "bonjour" gegrüsst.
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| Colorado provençal |
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| Weitläufiges Gebiet |
Zurück im Womo entschliessen wir uns zur Weiterfahrt nach Aix en Provence. Dort soll es einen stadtnahen Stellplatz geben. Nach einer abenteuerlichen Fahrt über die Luberon-Gebirgskette und vielen engen Kurven erreichen wir nach gut einer Stunde unser Ziel. Unterwegs entdecken wir noch einen Super U, unseren bevorzugten Supermarkt, und decken uns mit Frischprodukten ein. Am Stadtrand von Aix en Provence, einer lebhaften, verkehrsreichen Stadt, entdecken wir den Wegweiser. Der nette Stellplatzbetreiber steht am Eingang und weist uns einen Platz zu, nachdem er uns mit nützlichen Informationen zur Stadtbesichtigung und einem gedruckten Fahrplan versorgt hat.
Aix en Provence
Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es zu Fuss zur etwa 300 m entfernten Bushaltestelle. Nach weiteren 10 Minuten steigen wir im Zentrum von Aix en Provence aus und stehen gleich mitten im Wochenmarkt. Viele interessante Stände gibt es zu bewundern. Tischtücher mit provenzalischen Mustern, Lavendelsäckli und Seifen sind eher für die Touristen, daneben hat es aber auch Obst- und Gemüsestände, Brote, Fleischwaren sowie natürlich Kleider, Schuhe, Handtaschen, Schmuck und Küchenutensilien. Die Franzosen lieben ihren Wochenmarkt. Wir flanieren durch die vielen verschiedenen Gassen, müssen uns aber immer dicht an die Häuserzeile quetschen, denn selbst in den engsten Gassen herrscht reger Autoverkehr. Und wenn mal einer was ein- oder ausladen muss, dann gibt’s halt einen kleinen Stau. Mit etwas Gehupe wird der vorderste zur Eile angetrieben, und dann geht’s auch schon weiter. Parkplätze? Fehlanzeige! Gegen Abend steuern wir ein Lokal an, im dem sich heute Geocacher treffen. Schon bald sind wir ein kleines Grüppchen und unterhalten uns auf Englisch, Französisch und manchmal auch alles durcheinander. Immer wieder nett, neue Leute kennen zu lernen und von den Einheimischen den einen oder anderen Geheimtipp zu erhalten.
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| Aix en Provence - Markt auf dem Cours Mirabeau |
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| Spezialitätenladen für das Gebäck "Calissons" |
Was uns an Aix gefallen hat: es ist eine quirlige, lebendige Stadt mit vielen Spezialitätengeschäften. Doch eine Fussgängerzone sucht man hier ebenso vergebens wie Parkplätze.
Au revoir Provence, salut Camargue
Wir erwachen früh heute, und noch bei Dunkelheit verlassen wir den Stellplatz südwärts. Schon bald sind wir auf der für einmal kostenosen Autobahn Richtung Marseille. Der Verkehr nimmt zu, und noch bevor wir im Stau stehen, können wir auf die Autobahn Richtung Arles wechseln. Nach knapp einer Stunde verlassen wir diese und sind schon bald im Naturreservat der Camargue. Eine Fähre bei Salin de Giraud führt uns innert weniger Minuten über die Rhone. Dieser Spass kostet uns 10 Euro, erspart uns aber den Umweg über Arles.
Etwas südlich von Salin de Giraud erheben sich die ersten Salzberge. Hier wird noch nach traditioneller Methode Salz gewonnen. Dazu wird das Meerwasser in flache Becken geleitet. Der Mistral und die heissen Temperaturen in dieser sandigen und felsigen Gegend lassen das Wasser verdunsten. Die zurückgebliebenen Salzkristalle (Fleur de sel) werden abgeschöpft. Wartet man länger, sinken die Kristalle ab, nehmen durch die Verbindung mit Algen noch mehr Mineralstoffe auf und werden dann als "graues Salz" bezeichnet.
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| Salzberge bei Salin de Giraud |
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| Ein Traumplatz am Salzbecken |
Nun führt uns der Weg einmal rund um den Etang de Vaccarès, einem riesigen Sumpfgebiet. Immer wieder gibt es Ausbuchtungen, in die man sich kurz hinstellen kann, um Flamingos zu beobachten. Ein schöner Anblick, auch wenn sie nur in der Ferne zu sehen sind. Auf unserem weiteren Weg sehen wir dann auch noch die berühmten Camergue-Pferde sowie immer wieder Herden von schwarzen Stieren. Im ornithologischen Park machen wir nochmals einen Halt. Erwin bewacht das Womo (hier ist ein ganz heisses Pflaster, was Fahrzeugeinbrüche betrifft - es gibt auch extra Warnschilder dafür), und ich besuche mit der Kamera bewaffnet den Park. Hier sind nebst vielen verschiedenen Wasservögeln etwa 1000 Flamingos zu beobachten. Teils stehen sie nur 2 Meter vom Ufer entfernt im flachen Wasser. So gelingen einige schöne Aufnahmen.
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| Camargue-Pferde |
| Camargue-Stiere |
| Flamingos im Ornithologischen Park |
Im Laufe des Nachmittages erreichen wir Saintes Maries de la Mer. Eigentlich wollten wir aus Sicherheitsgründen auf den Campingplatz. Seine eher mässige Bewertung führt uns dann aber spontan zum Stellplatz direkt am Wasser. Nur ein Deich mit einem Spazierweg trennt uns vom Strand, und wir können vom Womo aus direkt aufs Wasser schauen. Nach einem erfrischenden Bad in den Wellen geniessen wir einen gemütlichen Abend unter südlicher Sonne.
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| Saint Maries de la Mer |
Hoch hinaus in Saintes Maries de la Mer
Nach einer herrlich ruhigen Nacht geht es heute gleich nach dem Frühstück in den Ort. Saintes Maries de la Mer ist ein schmucker Küstenort mit hübschen, weiss getünchten Häusern. Die Gassen sind malerisch mit vielen bunten Geschäften. Die klassischen Souvenirläden sind zwar auch hier vertreten, daneben gibt es aber auch hübsch eingerichtete Spezialitätenläden mit Töpferwaren, Stickereiartikel, Schnitzereien, Blecharbeiten oder Fachgeschäfte mit einheimischen Produkten wie natürlich Lavendel und Seifen, aber auch Reis aus der Camargue und Wein, der auf Sand kultiviert wird (vin de sable) oder natürlich Salz bzw. das bekannte Fleur de Sel, das hier gewonnen wird. Wegen den vielen Pferden findet man auch einige Geschäfte mit Reitartikeln wie Stiefel, Blusen, Hosen oder Hüte. Es gibt aber auch sehr viele Restaurants. Die meisten haben Meeresfrüchte oder Fische im Angebot, aber auch Stierfleisch in Form von Steak oder Würsten. Wir haben uns dann doch lieber für Pizza entschieden.
Mitten in der Stadt steht die presbyterianische Kirche, die man gegen eine Gebühr von drei Euro über eine enge und steile Wendeltreppe besteigen kann. Oben auf dem Steindach hat man einen herrlichen Ausblick über den Ort, das Meer und die Camargue.
| Auf dem Kirchendach |
Den Nachmittag verbringen wir mit Faulenzen und einem Bad im Meer. Da es heute etwas windiger ist als gestern, bleiben wir nur kurz im Wasser. Danach ist Sonnenbaden angesagt.
Vor dem Nachtessen mache ich noch eine kleine Erkundungstour mit dem Velo. Gleich hinter dem Stellplatz führt ein Weg am Ufer entlang. Nach etwa 200 m öffnet sich die Landschaft und man befindet sich mitten in der wilden Landschaft der Camargue. Etwas weiter hinten stehen hunderte Flamingos im seichten Wasser. Ein wunderbarer Anblick!
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| Pferdetrekking |
Abschied vom Meer
Kawumm – tönt es mitten in der Nacht. Ein heftiges Gewitter zieht über uns hinweg. Die Blitze erhellen den Platz, und die Donner hören sich nicht wie bei uns grollend an, sondern eher wie das Knallen einer Geissel. Nach etwa einer halben Stunde ist der Spuk vorbei, und wir schlafen wieder ein.
Unser letzter Tag in Saintes Maries de la Mer und damit auch am Meer ist angebrochen. Noch einige Restwolken hängen am Himmel, als wir zu Fuss in die Stadt schlendern, um beim Bäcker frisches Brot zu holen.
Nach dem Zmorge erledigen wir etwas Schreibarbeit, essen gemütlich Zmittag, liegen in der Sonne und machen am Nachmittag eine Velotour in das Schwemmland der Camargue. Das Gebiet ist flach, mit wenig Gebüsch und vielen Moorpflanzen wie Heidekraut. Im Sonnenlicht schimmert das Wasser ganz dunkelblau. Plötzlich sehen wir in einem Teich ganz nahe am Weg eine Gruppe Flamingos. Wir können sie ungehindert beobachten, sie lassen sich nicht stören. Was ihr Gekreische wohl zu bedeuten hat?
| Schöner Veloweg mitten durchs Schwemmland |
| Flamingos ganz nah |
Als wir zurück sind, setzen wir uns noch ein wenig an den Strand und schauen aufs Meer hinaus.
Nach dem Nachtessen beschliessen wir nochmals loszuradeln und können wunderbare Sonnenuntergang-Bilder einfangen.
Aigues Mortes und seine Stadtmauer
Die Stadt Aigues Mortes stand einmal am Wasser. Durch die Verlandung der Flachwasserzone steht die schachbrettartig gebaute Stadt heute etwa sechs Kilometer landeinwärts. Die rechteckige Festungsmauer kann vom nordwestlich gelegenen Tour de Constance aus bestiegen werden und ist 1640 Meter lang. Immer wieder unterteilt ein Turm oder ein Stadttor die langen Wehrgänge. Wir stellen unser Womo am einzigen zugelassenen Parkplatz ab. Zu unserer Überraschung ist die Zahlstation abgedeckt – wir können die 20 Euro Tagesgebühr also sparen.
Nach dem Rundgang auf der Stadtmauer sind die Gassen auf einmal mit Gittern zugesperrt. Eine einheimische Madame erklärt mir, dass in wenigen Augenblicken Pferde und Stiere durch die Gassen der Stadt gejagt werden. Das kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen und schaue dem bunten Treiben eine Weile zu.
| Stadtmauer von Aigues Mortes |
| Blick Richtung Salzbecken |
| Auf der Stadtmauer |
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| Maurischer Einfluss |
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| Stierkämpfer jagen durch die Stadt |
Mit einem Baguette und etwas salzigem Gebäck bin ich kurz danach zurück im Womo, wo Erwin zur Bewachung zurückgeblieben ist. Wir lösen uns ab und nun kann er die Stadt besichtigen. Nach einem schnellen Zmittag geht’s dann weiter westlich nach Grau du Roi. Ausserhalb des Ortes halten wir an einem See. Dort gibt’s eine Runde von 10 Geocaches, die wir aufsuchen wollen. Es ist herrlich, durch das urwüchsige Schwemmland zu marschieren. Hier wachsen vor allem Tamarinden, aber auch Pinien und natürlich viele Bodendeckerpflanzen, die bei uns völlig unbekannt sind.
Nach dieser Runde erreichen wir nach etwa einer Stunde den Pont du Gard. Dort checken wir beim Campingplatz ein. Das Besondere: er steht mitten in einem Pinienwald, und alle Plätze sind kunterbunt verteilt. Jeder kann kreuz und quer stehen, wie er mag. So gefällt uns das.
Es ist schon später Nachmittag, so machen wir uns gleich ans Installieren und Abendessen vorbereiten.
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| Wildes Schwemmland |
Die Römer und ihre Bauwerke
Gleich nach dem Frühstück geht es heute vom Zeltplatz die wenigen hundert Meter zum Infocenter des Pont du Gard. Ein streng dreinblickender Security-Mann gibt uns zu verstehen, dass wir uns im Gebäude ein Ticket holen müssen für 8.50 Euro pro Person, auch wenn wir ohne Fahrzeug hier seien. Eigentlich wollen wir gar nicht auf die Brücke, denn von unten scheint sie uns viel eindrucksvoller. Aus dem Reiseführer wissen wir, dass die Wanderwege rundherum frei zugänglich sind. So gehen wir hinunter an den Fluss und sehen das monumentale Bauwerk vor uns. Die Römer haben hier einen Aquädukt gebaut, der das Wasser von den Quellen bei Uzès ins 50 km entfernte Nîmes führte. Die Brücke ist 275 Meter lang und 49 Meter hoch. Unten sieht man die ohne Mörtel verkeilten Kalksteine, ganz oben sind Backsteine zu erkennen. Sehr beeindruckend, zumal man weiss, dass das Gefälle lediglich 0,4 % beträgt.
Im Morgenlicht gelingen uns ein paar schöne Aufnahmen, dennoch kehren wir am späteren Nachmittag nochmals zurück, um die andere Seite der Brücke in der Abendsonne nochmals einzufangen. Die westliche Seite ist schöner gebaut, da es sich um die original römische Konstruktion handelt. Im Mittelalter wurde auf der östlichen Seite die untere Ebene zu einer befahrbaren Brücke verbreitert. Die Steine sind daher weniger kunstvoll gearbeitet.
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| Pont du Gard |
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| Blick von oben |
Avignon und ihre Schwesterstadt
Der Abschied von diesem schönen Naturcamping fällt uns fast ein wenig schwer, aber es hat zu regnen begonnen, und wir wollen auch weiter. Nach einer knappen halben Stunde erreichen wir Villeneuve lès Avignon, wo wir das Fort St. André besuchen wollen. Gleich unter dem Fort finden wir einen grossen Kiesplatz, auf dem wir das Womo abstellen können. Ein kleiner Aufstieg auf den Hügel, und wir sind beim Eingangstor. Wir lösen die Tickets für je 6 Euro, und dann können wir auf den Rundgang. Leider ist der Garten der Abtei heute nicht zugänglich, aber der Rundgang durch die Festung ist auch so spannend genug. Vorbei an der Kapelle führt uns die Tour zum ersten Wehrturm mit seinen verschiedenen Räumen. Weiter geht es dann über den Wehrgang zu den beiden anderen Türmen. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf die Rhone und das gegenüber liegende Avignon mit dem Papstpalast. Kaum sind wir zurück im Womo beginnt es wieder zu regnen. So machen wir uns einen gemütlichen Abend und erledigen etwas Schreibarbeit.
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| Stattlicher Eingang |
| Avignon mit Papstpalast |
Abschied von der Provence
Wir verbringen auf dem Parkplatz eine ungestörte Nacht und beschliessen, noch vor dem Zmorge loszufahren und unterwegs frisches Brot zu kaufen. Nach etwa einer Stunde Fahrzeit erreichten wir Mirmande, ein hübsches Städtchen an einem Hang, das nominiert ist für die Kategorie „die schönsten Orte Frankreichs“. So früh am Morgen ist ausser uns niemand unterwegs, und so schlendern wir ungestört durch verwinkelte Gassen mit lauschigen Innenhöfen.
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| Mirmande |
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| Lauschige Innenhöfe |
Im Nachbarort besorgen wir uns anschliessend frisches Baguette, essen Zmorge und fahren dann für eine Weile auf der Route Nationale, später auf der Autobahn heimwärts. Diesmal über Grenoble. Eine etwas abwechslungsreichere Route als über Lyon, aber auch etwas anspruchsvoller. Wir kommen aber problemlos vorwärts. Erst in der Schweiz nehmen Verkehr und Baustellen zu. Gegen Abend kommen wir ohne Zwischenfälle wieder zu Hause an.
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