Samstag, 13. Oktober 2018

Provence und Camargue 30.09.-12.10.2018

Zwei Wochen voller Natursehenswürdigkeiten und südländischem Ambiente.


Anreise und erste Eindrücke.

Nein, der Wecker klingelt heute nicht, dennoch erwachen wir sehr früh. Die Vorfreude treibt uns aus dem Bett, und schon um 05:00 Uhr sind wir startklar.

Die Strassen sind menschenleer, und so kommen wir gut vorwärts. Einzig am Gubrist verengt sich die Strasse auf eine Spur und im Tunneleingang stehen zwei Polizeiautos quer zur Strasse. Tröpfchenweise werden die Autos durchgelassen, nachdem ein Beamter mit der Taschenlampe ins Wageninnere geleuchtet hat. Als wir an der Reihe sind, werden wir durchgewunken. Aha, offenbar gehören wir nicht zur gesuchten Kategorie. Weiter geht es westwärts. Kurz nach Bern machen wir auf einem Rastplatz einen Halt und gönnen uns ein Zmorge mit Espresso und Zopf.

Der Tag erwacht, als wir das Freiburgerland durchqueren, und am Genfersee scheint die Sonne auf die goldenen Rebberge. Kurz darauf kommen wir an die Grenze. Flüssig passieren wir diese und sind nun in Frankreich. Ein Stück geht es auf der Autobahn weiter, bis wir zur ersten Mautstation kommen. Wir ziehen unser Ticket und weiter geht’s für mehrere Stunden südwärts. Je nach Region verändert sich die Landschaft, und wir sichten die ersten Lavendelfelder, riesige Nussplantagen oder auch mal eine karge Felslandschaft. Alles in allem eine sehr abwechslungsreiche Fahrt.

Nach rund sieben Stunden erreichen wir Orange und stellen unser Womo auf einem grossen Parkplatz neben dem antiken römischen Theater ab. Am Sonntag kann man hier kostenlos stehen. Nur wenige Schritte sind es bis zu diesem imposanten römischen Bau, der halbrund angelegt ist. Die Bühne befindet sich an der Längsseite. Ganz oben thront die Statue von Kaiser Augustus. Mit dem Eintritt von 9.50 Euro ist man dabei, allerdings ist die Bühne gerade eingerüstet, und überall steht Baumaterial herum, zudem sind die ehemaligen und mittlerweile zerstörten Zuschauerränge etwas nüchtern durch moderne Betonstufen ersetzt. Trotzdem ist es interessant anzuschauen, wenn man sich vorstellt, wie es hier zu Römerzeiten zu- und hergegangen sein muss. Nimmt man die Mühe auf sich, den Colline St. Eutrope auf einem kurzen, aber steilen Weg zu erklimmen, hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt und das Theater.

Römisches Theater

Orange

Stadtgründungstor

Nun ist es aber Zeit fürs Mittagessen. Wir wärmen uns etwas Mitgebrachtes, das geht am schnellsten. Dann fahren wir am Stadtgründungstor, fälschlicherweise auch Triumphbogen genannt, vorbei wieder Richtung Norden. Nach wenigen Kilometern erreichen wir östlich von Piolenc unseren Übernachtungsplatz bei einem Obst- und Gemüsebauern. Im hinteren Teil seines Hofes sind schöne Parzellen angelegt, abgetrennt durch Oleanderhecken. Mittlerweile hat die Sonne die Wolken vertrieben, und wir geniessen einen herrlich milden Nachmittag inmitten der Natur. Gegen 20 Uhr radelt der junge Bauer vorbei und kassiert ein. 10 Euro gehen für diesen schönen Platz klar.

Fontaines de Vaucluse und Roussillon

An unserem zweiten Reisetag erwachen wir erst um 08:30 Uhr. Das ist uns schon lange nicht mehr passiert – ein gutes Zeichen! Unser erstes Ziel, ein McDonald’s. Wir zapfen das WiFi an, um uns im ausländischen Netz für den mobilen Internetzugang zu registrieren und dann geht's los Richtung Roussillon. Unterwegs fallen uns immer wieder Wegweiser auf, und wir beschliessen spontan, einen Abstecher nach Fontaines de Vaucluses zu machen. Im Hintergrund sehen wir den Mont Ventoux, rechts den Lubéron. Im Dorf führt ein schöner Spazierweg zur Quelle der Sorgue. Aus dem Boden und den Felsritzen sprudelt das Wasser empor und wird schnell zu einem beachtlichen Fluss. Während der Schneeschmelze sollen so 22 m3 Wasser pro Sekunde fliessen. Heute sind es knapp 7 m3. Ein beeindruckendes Schauspiel!


Fontaine de Vaucluse

Unterwegs halten wir an einem Stand und decken uns mit Früchten und Gemüsen ein. Es sei Saisonende, und daher alles zu einem guten Preis zu haben, meint der Verkäufer. Dann beklagt er sich noch über den heute aufgekommenen Mistral, der jeweils drei Tage dauere und sehr unangenehm sei, da er kühle Temperaturen bringe, aber auch für schönes Wetter sorge. Der dunkelblaue Himmel bestätigt dies.

Nach etwa einer halben Stunde erreichen wir Roussillon. Wir parken etwas ausserhalb und stellen uns zu den anderen bereits geparkten Womos. Im Ort selbst steuern wir als erstes den Ockerweg an. Für 2.50 Euro pro Person bekommen wir ein Ticket. Schon kurz danach stehen wir in einer Art Grube, rundherum leuchtend rote, orange, gelbe, und eben ockerfarbene Felsen, dazu der stahlblaue Himmel – die Kamera hat ganz schön viel zu tun. Danach führt ein Weg durch den Wald, immer wieder sind Felsformationen zu sehen, dazu einige Informationstafeln. Auch das Städtchen selbst hat einiges zu bieten. Wir bewundern die in allen Schattierungen getünchten ockerfarbenen Fassaden, einige Künstlerateliers und viele hübsche geschmückte Eingänge. Das Ölmuseum ist kostenlos und besteht aus zwei kleinen Kellerräumen mit alten Gerätschaften, Amphoren und Infotafeln. Wieder zurück am Platz schaut der Womo-Nachbar aus Pforzheim vorbei. Wir plaudern ein wenig, tauschen Reisetipps aus und ziehen uns schon bald wieder in unsere Womos zurück. Der Mistral ist wirklich ein frischer Wind. Den Abend verbringen wir im Womo und lassen ihn mit einem Film aus unserem Archiv ausklingen.  Was uns vom heutigen Tag durch die Provence bleibt: Lavendelfelder (auch ohne Blüten sind die akkuraten Reihen beeindruckend), Olivenbäume, Pinienwälder, Zypressenallen und jede Menge Ginstersträuche am Strassenrand.


Roussillon

Ockerpfad (Sentier des ocres)

Eindrückliches Farbenspiel

Stimmungsvoller Ort


Colorado provençal

Tag 3 unserer Reise: Der Mistral zeigte letzte Nacht, was er kann und rüttelte ganz schön am Womo. Heute jedoch ist davon nichts mehr zu merken, und die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Rustrel heisst das nächste Ziel, das wir in nur 20 Minuten Fahrt erreichen. Hier steuern wir zuerst die Bäckerei im Dorf an, dann checken wir kurz nach neun Uhr im Campingplatz Colorado ein. Für 22.60 Euro inkl. Strom wird uns eine grosse Parzelle zugeteilt. Es hat nur noch wenige Gäste hier, so sind die nächsten Wohnmobilisten ein ganzes Stück entfernt. Gleich hinter dem Gelände bzw. schon mittendrin beginnt das zweite grosse Gebiet mit Ockerfelsen, genannt Colorado Provençal. Nach einem ausgiebigen späten Zmorge marschieren wir los und können uns nicht satt sehen an diesen prächtigen Farben. Rot, rosa, gelb und braun leuchten die Sandwände in der Morgensonne, und wir kraxeln den halben Vormittag rauf und runter für die besten Aufnahmen. Immer wieder gibt es ein tolles Farbenspiel einzufangen.

Zurück am Platz legen wir uns für den Rest des Nachmittags faul in die Sonne, lesen, plaudern, und geniessen zum Zvieri eine Cavaillon-Melone aus dem nahegelegenen Cavaillon, herrlich süss und aromatisch!

Ein Abendspaziergang führt uns auf einem gewundenen Schotterweg auf die oberste Ebene des terrassierten Campingplatzes, von wo aus man eine wunderbare Sicht auf das Tal und die Lavendelfelder hat. Morgen wollen wir uns einen dritten, bekannten Platz mit schönen Ockerfelsen anschauen.


Ockerfelsen

Colorado provençal in Rustrel

Der erste Gang ist heute zur Reception. Dort können wir unser Baguette abholen. 1,30 Euro kostet das warme, knusprige Brot. Nun sind wir gestärkt für den heutigen Tag. Die erste Etappe dauert nur ein paar Minuten, dann stehen wir am Parkplatz des Colorado Provençal. Die nette Dame im Kassenhäuschen knöpft uns 8 Euro ab, dann dürfen wir rein. Eigentlich wollen wir hier gleich übernachten, das ist seit letztem Juni leider nicht mehr gestattet. Es wären wunderbare Plätze unter Bäumen gewesen. Egal, uns interessieren erst mal die Felsen hier. Nach einer kurzen Wanderung durch einen Pinienwald erreichen wir den Eingang zum Colorado. Wir sind überwältigt vom Panorama, das sich uns bietet. Rechts hohe, tiefrote Felsen, geradeaus ein gelb-sandiger Hügel, und der Boden ist eher crèmefarben. Alle Schattierungen sind vertreten, und die milde Herbstsonne zusammen mit dem blauen Himmel ergeben ein Bild wie in einem amerikanischen Nationalpark - oder wie in Australien! Wir knipsen nach links und nach rechts, klettern rauf und runter und können uns kaum satt sehen. Gut markierte Wege führen uns ungefähr zwei Stunden durch das ganze Gebiet. Immer wieder ändern sich die Felsformationen und die Farben. Ein interessantes Detail: Die Franzosen sind sehr höfliche Leute. Wenn man sich unterwegs begegnet, wird immer mit einem fröhlichen "bonjour" gegrüsst.


Colorado provençal

Weitläufiges Gebiet

Zurück im Womo entschliessen wir uns zur Weiterfahrt nach Aix en Provence. Dort soll es einen stadtnahen Stellplatz geben. Nach einer abenteuerlichen Fahrt über die Luberon-Gebirgskette und vielen engen Kurven erreichen wir nach gut einer Stunde unser Ziel. Unterwegs entdecken wir noch einen Super U, unseren bevorzugten Supermarkt, und decken uns mit Frischprodukten ein. Am Stadtrand von Aix en Provence, einer lebhaften, verkehrsreichen Stadt, entdecken wir den Wegweiser. Der nette Stellplatzbetreiber steht am Eingang und weist uns einen Platz zu, nachdem er uns mit nützlichen Informationen zur Stadtbesichtigung und einem gedruckten Fahrplan versorgt hat.



Aix en Provence

Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es zu Fuss zur etwa 300 m entfernten Bushaltestelle. Nach weiteren 10 Minuten steigen wir im Zentrum von Aix en Provence aus und stehen gleich mitten im Wochenmarkt. Viele interessante Stände gibt es zu bewundern. Tischtücher mit provenzalischen Mustern, Lavendelsäckli und Seifen sind eher für die Touristen, daneben hat es aber auch Obst- und Gemüsestände, Brote, Fleischwaren sowie natürlich Kleider, Schuhe, Handtaschen, Schmuck und Küchenutensilien. Die Franzosen lieben ihren Wochenmarkt. Wir flanieren durch die vielen verschiedenen Gassen, müssen uns aber immer dicht an die Häuserzeile quetschen, denn selbst in den engsten Gassen herrscht reger Autoverkehr. Und wenn mal einer was ein- oder ausladen muss, dann gibt’s halt einen kleinen Stau. Mit etwas Gehupe wird der vorderste zur Eile angetrieben, und dann geht’s auch schon weiter. Parkplätze? Fehlanzeige! Gegen Abend steuern wir ein Lokal an, im dem sich heute Geocacher treffen. Schon bald sind wir ein kleines Grüppchen und unterhalten uns auf Englisch, Französisch und manchmal auch alles durcheinander. Immer wieder nett, neue Leute kennen zu lernen und von den Einheimischen den einen oder anderen Geheimtipp zu erhalten.


Aix en Provence - Markt auf dem Cours Mirabeau

Spezialitätenladen für das Gebäck "Calissons"
 
Was uns an Aix gefallen hat: es ist eine quirlige, lebendige Stadt mit vielen Spezialitätengeschäften. Doch eine Fussgängerzone sucht man hier ebenso vergebens wie Parkplätze.


Au revoir Provence, salut Camargue

Wir erwachen früh heute, und noch bei Dunkelheit verlassen wir den Stellplatz südwärts. Schon bald sind wir auf der für einmal kostenosen Autobahn Richtung Marseille. Der Verkehr nimmt zu, und noch bevor wir im Stau stehen, können wir auf die Autobahn Richtung Arles wechseln. Nach knapp einer Stunde verlassen wir diese und sind schon bald im Naturreservat der Camargue. Eine Fähre bei Salin de Giraud führt uns innert weniger Minuten über die Rhone. Dieser Spass kostet uns 10 Euro, erspart uns aber den Umweg über Arles.

Etwas südlich von Salin de Giraud erheben sich die ersten Salzberge. Hier wird noch nach traditioneller Methode Salz gewonnen. Dazu wird das Meerwasser in flache Becken geleitet. Der Mistral und die heissen Temperaturen in dieser sandigen und felsigen Gegend lassen das Wasser verdunsten. Die zurückgebliebenen Salzkristalle (Fleur de sel) werden abgeschöpft. Wartet man länger, sinken die Kristalle ab, nehmen durch die Verbindung mit Algen noch mehr Mineralstoffe auf und werden dann als "graues Salz" bezeichnet.


Salzberge bei Salin de Giraud

Ein Traumplatz am Salzbecken

Nun führt uns der Weg einmal rund um den Etang de Vaccarès, einem riesigen Sumpfgebiet. Immer wieder gibt es Ausbuchtungen, in die man sich kurz hinstellen kann, um Flamingos zu beobachten.  Ein schöner Anblick, auch wenn sie nur in der Ferne zu sehen sind. Auf unserem weiteren Weg sehen wir dann auch noch die berühmten Camergue-Pferde sowie immer wieder Herden von schwarzen Stieren. Im ornithologischen Park machen wir nochmals einen Halt. Erwin bewacht das Womo (hier ist ein ganz heisses Pflaster, was Fahrzeugeinbrüche betrifft - es gibt auch extra Warnschilder dafür), und ich besuche mit der Kamera bewaffnet den Park. Hier sind nebst vielen verschiedenen Wasservögeln etwa 1000 Flamingos zu beobachten. Teils stehen sie nur 2 Meter vom Ufer entfernt im flachen Wasser. So gelingen einige schöne Aufnahmen.


Camargue-Pferde

Camargue-Stiere

Flamingos im Ornithologischen Park



Im Laufe des Nachmittages erreichen wir Saintes Maries de la Mer. Eigentlich wollten wir aus Sicherheitsgründen auf den Campingplatz. Seine eher mässige Bewertung führt uns dann aber spontan zum Stellplatz direkt am Wasser. Nur ein Deich mit einem Spazierweg trennt uns vom Strand, und wir können vom Womo aus direkt aufs Wasser schauen. Nach einem erfrischenden Bad in den Wellen geniessen wir einen gemütlichen Abend unter südlicher Sonne.


Saint Maries de la Mer

 
Hoch hinaus in Saintes Maries de la Mer

Nach einer herrlich ruhigen Nacht geht es heute gleich nach dem Frühstück in den Ort. Saintes Maries de la Mer ist ein schmucker Küstenort mit hübschen, weiss getünchten Häusern. Die Gassen sind malerisch mit vielen bunten Geschäften. Die klassischen Souvenirläden sind zwar auch hier vertreten, daneben gibt es aber auch hübsch eingerichtete Spezialitätenläden mit Töpferwaren, Stickereiartikel, Schnitzereien, Blecharbeiten oder Fachgeschäfte mit einheimischen Produkten wie natürlich Lavendel und Seifen, aber auch Reis aus der Camargue und Wein, der auf Sand kultiviert wird (vin de sable) oder natürlich Salz bzw. das bekannte Fleur de Sel, das hier gewonnen wird.  Wegen den vielen Pferden findet man auch einige Geschäfte mit Reitartikeln wie Stiefel, Blusen, Hosen oder Hüte. Es gibt aber auch sehr viele Restaurants. Die meisten haben Meeresfrüchte oder Fische im Angebot, aber auch Stierfleisch in Form von Steak oder Würsten. Wir haben uns dann doch lieber für Pizza entschieden.

Mitten in der Stadt steht die presbyterianische Kirche, die man gegen eine Gebühr von drei Euro über eine enge und steile Wendeltreppe besteigen kann. Oben auf dem Steindach hat man einen herrlichen Ausblick über den Ort, das Meer und die Camargue.


Auf dem Kirchendach

Den Nachmittag verbringen wir mit Faulenzen und einem Bad im Meer. Da es heute etwas windiger ist als gestern, bleiben wir nur kurz im Wasser. Danach ist Sonnenbaden angesagt.

Vor dem Nachtessen mache ich noch eine kleine Erkundungstour mit dem Velo. Gleich hinter dem Stellplatz führt ein Weg am Ufer entlang. Nach etwa 200 m öffnet sich die Landschaft und man befindet sich mitten in der wilden Landschaft der Camargue. Etwas weiter hinten stehen hunderte Flamingos im seichten Wasser. Ein wunderbarer Anblick!


Pferdetrekking





Abschied vom Meer

Kawumm – tönt es mitten in der Nacht. Ein heftiges Gewitter zieht über uns hinweg. Die Blitze erhellen den Platz, und die Donner hören sich nicht wie bei uns grollend an, sondern eher wie das Knallen einer Geissel. Nach etwa einer halben Stunde ist der Spuk vorbei, und wir schlafen wieder ein.

Unser letzter Tag in Saintes Maries de la Mer und damit auch am Meer ist angebrochen. Noch einige Restwolken hängen am Himmel, als wir zu Fuss in die Stadt schlendern, um beim Bäcker frisches Brot zu holen.

Nach dem Zmorge erledigen wir etwas Schreibarbeit, essen gemütlich Zmittag, liegen in der Sonne und machen am Nachmittag eine Velotour in das Schwemmland der Camargue. Das Gebiet ist flach, mit wenig Gebüsch und vielen Moorpflanzen wie Heidekraut. Im Sonnenlicht schimmert das Wasser ganz dunkelblau. Plötzlich sehen wir in einem Teich ganz nahe am Weg eine Gruppe Flamingos. Wir können sie ungehindert beobachten, sie lassen sich nicht stören. Was ihr Gekreische wohl zu bedeuten hat?


Schöner Veloweg mitten durchs Schwemmland


Flamingos ganz nah


Als wir zurück sind, setzen wir uns noch ein wenig an den Strand und schauen aufs Meer hinaus.
Nach dem Nachtessen beschliessen wir nochmals loszuradeln und können wunderbare Sonnenuntergang-Bilder einfangen.

Aigues Mortes und seine Stadtmauer

Die Stadt Aigues Mortes stand einmal am Wasser. Durch die Verlandung der Flachwasserzone steht die schachbrettartig gebaute Stadt heute etwa sechs Kilometer landeinwärts. Die rechteckige Festungsmauer kann vom nordwestlich gelegenen Tour de Constance aus bestiegen werden und ist 1640 Meter lang. Immer wieder unterteilt ein Turm oder ein Stadttor die langen Wehrgänge. Wir stellen unser Womo am einzigen zugelassenen Parkplatz ab. Zu unserer Überraschung ist die Zahlstation abgedeckt – wir können die 20 Euro Tagesgebühr also sparen.

Nach dem Rundgang auf der Stadtmauer sind die Gassen auf einmal mit Gittern zugesperrt. Eine einheimische Madame erklärt mir, dass in wenigen Augenblicken Pferde und Stiere durch die Gassen der Stadt gejagt werden. Das kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen und schaue dem bunten Treiben eine Weile zu.


Stadtmauer von Aigues Mortes

Blick Richtung Salzbecken

Auf der Stadtmauer

Maurischer Einfluss

Stierkämpfer jagen durch die Stadt

Mit einem Baguette und etwas salzigem Gebäck bin ich kurz danach zurück im Womo, wo Erwin zur Bewachung zurückgeblieben ist. Wir lösen uns ab und nun kann er die Stadt besichtigen. Nach einem schnellen Zmittag geht’s dann weiter westlich nach Grau du Roi. Ausserhalb des Ortes halten wir an einem See. Dort gibt’s eine Runde von 10 Geocaches, die wir aufsuchen wollen. Es ist herrlich, durch das urwüchsige Schwemmland zu marschieren. Hier wachsen vor allem Tamarinden, aber auch Pinien und natürlich viele Bodendeckerpflanzen, die bei uns völlig unbekannt sind.

Nach dieser Runde erreichen wir nach etwa einer Stunde den Pont du Gard. Dort checken wir beim Campingplatz ein. Das Besondere: er steht mitten in einem Pinienwald, und alle Plätze sind kunterbunt verteilt. Jeder kann kreuz und quer stehen, wie er mag. So gefällt uns das.
Es ist schon später Nachmittag, so machen wir uns gleich ans Installieren und Abendessen vorbereiten.


Wildes Schwemmland

Die Römer und ihre Bauwerke

Gleich nach dem Frühstück geht es heute vom Zeltplatz die wenigen hundert Meter zum Infocenter des Pont du Gard. Ein streng dreinblickender Security-Mann gibt uns zu verstehen, dass wir uns im Gebäude ein Ticket holen müssen für 8.50 Euro pro Person, auch wenn wir ohne Fahrzeug hier seien. Eigentlich wollen wir gar nicht auf die Brücke, denn von unten scheint sie uns viel eindrucksvoller. Aus dem Reiseführer wissen wir, dass die Wanderwege rundherum frei zugänglich sind. So gehen wir hinunter an den Fluss und sehen das monumentale Bauwerk vor uns. Die Römer haben hier einen Aquädukt gebaut, der das Wasser von den Quellen bei Uzès ins 50 km entfernte Nîmes führte. Die Brücke ist 275 Meter lang und 49 Meter hoch. Unten sieht man die ohne Mörtel verkeilten Kalksteine, ganz oben sind Backsteine zu erkennen. Sehr beeindruckend, zumal man weiss, dass das Gefälle lediglich 0,4 % beträgt.

Im Morgenlicht gelingen uns ein paar schöne Aufnahmen, dennoch kehren wir am späteren Nachmittag nochmals zurück, um die andere Seite der Brücke in der Abendsonne nochmals einzufangen. Die westliche Seite ist schöner gebaut, da es sich um die original römische Konstruktion handelt. Im Mittelalter wurde auf der östlichen Seite die untere Ebene zu einer befahrbaren Brücke verbreitert. Die Steine sind daher weniger kunstvoll gearbeitet.


Pont du Gard

Blick von oben


Avignon und ihre Schwesterstadt

Der Abschied von diesem schönen Naturcamping fällt uns fast ein wenig schwer, aber es hat zu regnen begonnen, und wir wollen auch weiter. Nach einer knappen halben Stunde erreichen wir Villeneuve lès Avignon, wo wir das Fort St. André besuchen wollen. Gleich unter dem Fort finden wir einen grossen Kiesplatz, auf dem wir das Womo abstellen können. Ein kleiner Aufstieg auf den Hügel, und wir sind beim Eingangstor. Wir lösen die Tickets für je 6 Euro, und dann können wir auf den Rundgang. Leider ist der Garten der Abtei heute nicht zugänglich, aber der Rundgang durch die Festung ist auch so spannend genug. Vorbei an der Kapelle führt uns die Tour zum ersten Wehrturm mit seinen verschiedenen Räumen. Weiter geht es dann über den Wehrgang zu den beiden anderen Türmen. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf die Rhone und das gegenüber liegende Avignon mit dem Papstpalast. Kaum sind wir zurück im Womo beginnt es wieder zu regnen. So machen wir uns einen gemütlichen Abend und erledigen etwas Schreibarbeit.


Stattlicher Eingang

Avignon mit Papstpalast


Abschied von der Provence

Wir verbringen auf dem Parkplatz eine ungestörte Nacht und beschliessen, noch vor dem Zmorge loszufahren und unterwegs frisches Brot zu kaufen. Nach etwa einer Stunde Fahrzeit erreichten wir Mirmande, ein hübsches Städtchen an einem Hang, das nominiert ist für die Kategorie „die schönsten Orte Frankreichs“. So früh am Morgen ist ausser uns niemand unterwegs, und so schlendern wir ungestört durch verwinkelte Gassen mit lauschigen Innenhöfen.


Mirmande

Lauschige Innenhöfe


Im Nachbarort besorgen wir uns anschliessend frisches Baguette, essen Zmorge und fahren dann für eine Weile auf der Route Nationale, später auf der Autobahn heimwärts. Diesmal über Grenoble. Eine etwas abwechslungsreichere Route als über Lyon, aber auch etwas anspruchsvoller. Wir kommen aber problemlos vorwärts. Erst in der Schweiz nehmen Verkehr und Baustellen zu. Gegen Abend kommen wir ohne Zwischenfälle wieder zu Hause an.

Wo wir waren? Hier gehts zur Übersichtskarte.


Freitag, 20. Juli 2018

Österreich und umliegende Länder 05.-20.07.2018

Eine Rundtour der besonderen Art durch eine weniger bekannte Gegend mit ungewohnten Sprachbarrieren.

„Sie nähern sich einem Stau“, das ist das Motto des Tages, denn als wir uns von St. Gallen auf den Weg in die Steiermark machen, meldet das Navi alle paar Kilometer diesen Zeitfresser. Mal schleichen wir, mal stehen wir - besonders im Raum München, wo wir nicht vom Fleck kommen.

Doch bis es soweit ist, muss Erwin an diesem allerletzten Tag vor den Sommerferien seine Schüler besonders zur Teilnahme am Unterricht motivieren, während ich mir die Zeit mit der Suche nach zwei Geocaches in der Umgebung vertreibe. Als wir um die Mittagszeit abfahren, regnet es in Strömen, was für einen Reisetag eigentlich ganz angenehm ist. Schnell holen wir uns in Lustenau ein Pickerl für die Österreichische Autobahn und füllen den fast leeren Tank mit relativ günstigem Diesel.

Wir entscheiden, für einmal die Nordroute über München zu nehmen, wohlwissend, dass diese Strecke stark befahren ist. Dass es aber über Stunden fast nur stockend vorwärts geht, hätten wir nicht gedacht. So ist es dann auch schon dunkel, als wir endlich in Zeltweg ankommen, wo an diesem Wochenende ein Geocaching-Event stattfindet.  Schon von weitem sehen wir auf dem grossen Parkplatz etliche Womos und stellen uns dazwischen.

Nach einer ruhigen Nacht sind wir schon früh wach und besuchen zwei Geocaches in der Nähe, bevor der Event losgeht. Die Organisatoren sind noch hektisch mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt, während wir auf den Einlass warten. Die nächsten Stunden verbringen wir damit, die aufgebauten Attraktionen zu besichtigen, eine Ausstellung zu besuchen und ein paar Gespräche zu führen. Bald ist es Zeit für uns, weiterzufahren. In Graz finden wir günstig gelegen einen McDonald’s mit gratis WiFi, wo wir uns um unser Internet-Guthaben kümmern können.

Während wir uns ein leichtes Mittagessen gönnen, besprechen wir die weitere Route. Tagesziel ist Maribor. Etwas ausserhalb soll es einen Stellplatz direkt an der Drau geben. Tatsächlich finden wir noch ein Plätzchen am Wasser. Die Bedienung im Restaurant begrüsst uns mit „dober dan“ und will nicht einmal Geld für den Stellplatz. Gratis Internet bekommen wir auch noch. Was will man mehr? Wir stellen unsere Stühle an den Fluss und geniessen die Nachmittagsstunden. Am Abend setzen wir uns im Restaurant auf die Terrasse und bekommen für knapp 20 Euro ein leckeres und schön angerichtetes Abendessen mit zwei Salaten, einmal Risotto mit Poulet sowie einmal Cevapcici mit Kartoffeln.

Auf dem Platz stehen fünf Womos aus fünf Nationen (D, A, I, E, CH). Wir plaudern etwas mit unseren Nachbarn, die aus Graz kommen. Wie jedes Mal folgt nach der Fachsimpelei übers Campen die gegenseitige Womo-Besichtigung.

Stellplatz direkt an der Drau

Gute Küche

Wir haben wieder eine herrlich ruhige Nacht hinter uns. Heute ist Sonntag, da wollen wir uns Maribor anschauen. Wir machen unsere Velos fahrbereit, dann geht’s gut zwei Kilometer auf einem mehr oder weniger gut ausgebauten und ebenen Weg entlang der Drau in die Stadt. Wir besichtigen die obligaten Sehenswürdigkeiten, kaufen auf dem Markt ein und holen uns beim Bäcker ein Brot. Ein paar Geocaches, die auf unserem Weg liegen, werden auch noch gefunden. Wir staunen nicht schlecht, als wir bemerken, dass die Einkaufszentren heute offen haben. So nutzen wir die Gelegenheit, um unseren Kühlschrank aufzufüllen.


Rathaus Maribor

Altstadt Maribor

Älteste Weinrebe der Welt (über 400 Jahre)

Den Nachmittag nutzen wir für Schreib- und Computerarbeit, und als die untergehende Sonne den Fluss in warmes Licht taucht, müssen wir einfach noch unsere Stühle ans Ufer stellen und die Abendstimmung geniessen. Noch einmal lassen wir uns die vorzügliche Küche im Restaurant schmecken und verbringen einen gemütlichen Abend auf der Terrasse.


Abendstimmung an der Drau
 
Montag Morgen, und wir können liegen bleiben. Ein herrliches Gefühl. Wir beschliessen, noch vor dem Frühstück die nächste Ver- und Entsorgungsstation anzufahren. Irgendwas stimmt mit unserem Frischwasser nicht, denn aus dem Siphon kommt uns ein etwas artfremder Geruch entgegen. Ob sich Algen gebildet haben? Nach etwa 40 Minuten erreichen wir den Platz. Vom Weiher nebenan ist tief unten noch ein jämmerlicher Rest zu sehen und bei der angeblichen Wasserstation stehen Baumaschinen und Kieshaufen. Das war wohl nix. Also fahren wir weiter Richtung Kroatien. Das Navi führt uns auf abenteuerlich kleinen Strassen an einsamen Bauernhöfen vorbei, bis wir an einer Kurve abrupt stehen bleiben. Wir sehen ein verschlossenes Tor vor uns und daneben metergrosse Stacheldrahtspiralen. Nix mit grenzenlosem Europa. Wir müssen auf der schmalen Strasse umdrehen und den ganzen Schleichweg zurück. Endlich erreichen wir eine grössere Strasse, danach sogar eine mit Mittelstreifen. Bald finden wir den offiziellen Grenzübertritt nach Kroatien. Der nette Beamte nimmt uns die IDs ab, will wissen, ob wir auf Ferienreise sind und wohin es gehen soll. Die Kurzfassung ist ihm zu wenig genau, er will es detaillierter... Die Ausweise werden seiner Kollegin übergeben, die unsere Angaben im Computer eintippt. Offenbar stehen wir auf keiner Fahndungsliste, so kann es der Beamte verantworten und uns ins Land lassen. Die Schranke öffnet sich, und wir können passieren.

Kroatien unterscheidet sich nicht gross von Slowenien. In beiden Ländern sieht man schmucke Neubauten neben verfallenen Häusern, mal sind die Strassen gut ausgebaut, mal voller Schlaglöcher. Die Ladenketten in grösseren Ortschaften kommen uns bekannt vor: Spar, Hofer (Aldi), DM, Müller Markt ...

Eigentlich wollen wir eine 86teilige Cache-Serie absolvieren, doch schon nach dem ersten Fund ist uns die Freude daran vergangen. Auf einem besseren Trampelpfad zwei Kilometer durch die Pampa mit Gegenverkehr zu einem Weingut, das ist uns selbst mit einem wendigen Kastenwagen zu viel. Nach zwei weiteren Funden lassen wir es gut sein und fahren weiter Richtung Osten. Auf der kroatischen Autobahn kommen wir mit wenig Verkehr zügig voran, bezahlen an der Mautstation ein paar Euro und erreichen kurz darauf die Kroatisch-Ungarische Grenze. Der erste Beamte kontrolliert unsere IDs, ebenso der zweite, der auch noch ins Womo gucken will. Bitte sehr, darf er – bei uns ist aufgeräumt ;-)


Picknick unterwegs

Land Nummer drei am heutigen Tag. Wir sind froh, gegen 15 Uhr den Campingplatz in Nagykanizsa erreicht zu haben. Die nette Betreiberin stellt sich als Monica vor und zeigt uns die riesige Rasenfläche mit Birken, auf der wir uns einen Platz aussuchen dürfen.

Erst aber müssen wir das Wasserproblem lösen. Alles wird abgelassen und der Tankboden mit einer Bürste vom Kalk befreit. Der eben gekauften Essig erledigt den Rest, danach schütten wir sicherheitshalber noch Geschirrspülpfleger nach und spülen die Leitungen kräftig durch. Es scheint gewirkt zu haben. Der unangenehme Geruch ist verschwunden, wenigstens bis jetzt. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Nun aber machen wir erst einmal eine Besichtigungstour. Es gibt hier ein Gartenhäuschen mit Grill und Küche, einen Spielplatz, eine Hängematte, Bänke und Tische sowie einen Swimmingpool. Wenn man sich hineinsetzt, geht das Wasser immerhin bis zum Hals. Egal, wir geniessen es trotzdem. Die Sanitäreinrichtungen sind zweckmässig, sauber und gepflegt.

Mit den Stühlen in der Abendsonne verspeisen wir unser Nachtessen: Spätzlipfanne mit Schinken und Zwiebeln, dazu Salat.

Gerade als wir damit fertig sind, fährt noch ein zweites Womo auf den Platz und stellt sich etwas abseits hin. Es entsteigen ihm vier Personen und ein Kleinkind. Damit fängt der Trubel an: sie unterhalten sich lautstark, das Kind plärrt, im Hintergrund bellt ein Hund, doch irgendwann wird es wieder ruhig auf dem Platz und wir verbringen eine erholsame Nacht.


naturnaher Campingplatz

sogar mit Hängematte

Essen ist fertig!

Es ist bereits Dienstag Vormittag (10.07.18). Wir beschliessen, heute die Stadt Nagykanizsa zu besichtigen und nehmen dazu den Bus, der pünktlich um 07:25 Uhr nicht weit vom Campingplatz losfährt. Da wir einige Geocaches besuchen, sehen wir auch Quartiere abseits der Einkaufsstrassen und bekommen so einen Eindruck vom Alltag der Ungaren. Es gibt sehr gepflegt aussehende Leute, aber auch Verwahrloste. Selbst Jugendliche scheinen keine Markenklamotten zu tragen, und die Strassen sind mehrheitlich in schlechtem Zustand. Auch die Häuser werden nicht renoviert, sondern dem Verfall überlassen. Der Putz blättert von den Fassaden, halb abgerissene Ruinen bleiben stehen, und aus den Rissen auf Strasse und Trottoir wächst Gras.

Welche Fremdsprache die Ungaren lernen, wissen wir nicht, aber Englisch oder Deutsch ist es nicht. Keiner konnte uns verstehen, weder an der Kasse noch am Busschalter. So kam die altbewährte Methode zum Einsatz und wir gestikulierten mit Handzeichen. Das klappt mit mehr oder weniger Aufwand auch jedes Mal recht gut.

Am Automat ziehen wir uns 1000 Ungarische Forint, was etwa 36 Franken entspricht. Wir bekommen ein Busbillet für 320 Forint pro Person (ca. 1.-) und das Softeis sogar für 250 Forint (ca. 80 Rp.). In der Bäckerei kosten zwei salzige Gebäcke und ein Süssgetränk insgesamt keine zwei Franken.


Nagykanisza, Elisabeth-Platz

Stier-Statue aus alten Pneus

Auf diesem Campingplatz ist es sehr ruhig, wir haben gratis WiFi, und so bleiben wir noch eine Nacht. Wir lassen in der untergehenden Sonne den Tag ausklingen, denn morgen soll es regnen.

Tatsächlich hören wir es in der Nacht aufs Dach prasseln, und bei strömendem Regen planen wir heute Mittwoch während des Zmorge den Tag. Während einer Regenpause machen wir unser Womo reisefertig, verabschieden uns von Monica und fahren Richtung Balatonsee. Unterwegs besuchen wir noch einen Tesco, um unsere Vorräte aufzufüllen, und der Tank bekommt auch noch ein paar Liter Diesel.

Über Landstrassen geht es dann nach Kesztheley, wo wir eigentlich eine Nacht bleiben wollten. Das Wetter bleibt aber regnerisch, so ist auch nichts mit Baden im See. Zwei Geocaches führen uns an schöne Plätze, dann geht es auch schon weiter ins benachbarte Héviz, einem Kurort mit Thermalbad in einem See. Doch wir sind etwas enttäuscht. Die Häuser an der Flaniermeile sind entweder Hotels oder Modeboutiquen, was eigentlich ganz nett aussieht, aber die Strassen, und vor allem die Trottoirs, sind in einem desolaten Zustand. Selbst um das Thermalbad findet man Schlaglöcher und schiefe Passagen, sodass man bei jedem Schritt achtgeben muss. Beim Bäcker besorgen wir uns noch ein frisches Brot sowie zwei Pizzaschnecken, dann geht es auch schon weiter.


Thermalbad Héviz

Der Weg führt uns durch etliche kleine Dörfer Richtung Österreich. Auf einmal sehen wir vor uns eine Polizeipatrouille auf der anderen Strassenseite. Als sie uns sehen, stellen sich die drei Beamten in die Mitte und winken und an die Seite. Allgemeine Verkehrskontrolle, vermuten wir; der Beamte kann aber weder Deutsch noch Englisch und schickt seinen Kollegen vorbei. In diesem Moment fällt mir siedend heiss ein, dass mein Führerschein zu Hause im Schweizer Portemonnaie steckt.  Unbemerkt wechseln wir die Plätze. Als der Kollege kommt, möchte er „Passport“ haben und wünscht „Tiere effnen bitte“ in breitem ungarischen Akzent. Als erstes muss Erwin ins Röhrchen pusten, das natürlich 0,0 Promille anzeigt. Danach schaut er ins Womo und verschwindet mit unseren Papieren: zwei IDs, einem Fahrzeugausweis sowie einem Führerschein. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt er vorbei und meldet: „noch einään Moment“. Wir zeigen Verständnis, müssen aber trotzdem schmunzeln, weil alle drei hektisch am Smartphone hängen und telefonieren. Ob die unsere Ausweise überhaupt interpretieren können? Offenbar waren wir bei Interpol nicht registriert, so erhalten wir alle Dokumente zurück und können weiterfahren.

Nach knapp zwei Stunden erreichen wir die österreichische Grenze, wo wir kurz darauf in Oberwart einen Halt einlegen und zwei Geocaches finden. Es ist bereits Abend, so beschliessen wir, uns beim Messezentrum für eine Nacht hinzustellen. Bei den übrigen Lieferwagen, die hier stehen, fällt das nicht auf. Wir kochen uns Tortellini, dazu ein Salat, und zum Dessert gibt’s frische Wassermelone.

An nächsten Morgen erwachen wir relativ früh, und so sind wir schon kurz nach 7 Uhr unterwegs in den nahegelegenen McDonald’s. Der hat gratis WiFi. So können wir die eingegangenen Nachrichten checken und uns für den Tag vorbereiten. Wir fahren eine gute Stunde bis nach Möding, wo es in der Nähe des Bahnhofs einen offiziellen Gratis-Stellplatz gibt. Dann geht’s mit der Bahn nach Wien. Für 20 Euro pro Person können wir das ganze Stadtnetz benutzen. Mit der S-Bahn erreichen wir den Hauptbahnhof. Weiter geht’s mit der U-Bahn zum Stefansdom, wo wir beim Figlmüller einen Platz ergattern und das stadtbekannte Wienerschnitzel mit Salat geniessen. Danach setzen wir uns in den Stadtbus und fahren bis zur Oper, von wo wir schliesslich noch das Tram nehmen. Kreuz und quer fahren wir durch die Stadt, bis wir gegen Abend müde in den Zug zurück nach Meidling nehmen. Während wir so dahinfahren, denken wir: Ääääh, hiess das nicht Mödling? Stimmt, also schnell an der nächsten Station wieder aussteigen und den richtigen Zug nehmen. Uff, nochmal gut gegangen.


Stephansdom

Riesenschnitzel

Naschmarkt

Am Freitag Morgen fahren wir sehr früh los Richtung Wien. Beim Schloss Schönbrunn machen wir auf dem grossen Parkplatz einen kurzen Halt, um ein paar schöne Bilder des Park einzufangen, bevor die Touristenströme dies verunmöglichen. Kurz nach sieben ist es noch ruhig, nur ein paar Jogger kreuzen den Weg. Nach eineinhalb Stunden fahren wir zum Ausgang. An der Zahlstation dann die böse Überraschung: Als Womo kostet uns dieser Aufenthalt 24 Euro, eine Tagespauschale. Menno...

Schloss Schönbrunn

Park und Gloriette

Schnell weiter über Land nach Stockerau, wo wir liebe Freunde besuchen. Wir verbringen einen gemütlichen Nachmittag, werden mit Marillen-Topfen-Strudel verwöhnt und zum Znacht mit einem Gemüse-Ziegenkäse-Strudel und Salat. Nach einem Abendspaziergang, der uns zu einem nahen Geocache führt, verabschieden wir uns. Hoffentlich dauert das nächste Treffen nicht wieder 12 Jahre. Am Schwimmbad von Stockerau finden wir einen Gratisplatz mit Ver- und Entsorgung. Der Platz ist grosszügig beleuchtet, was unseren Schlaf etwas stört. So stehen wir um fünf Uhr auf und sind eine halbe Stunde später bereits auf der Autobahn Richtung Tschechien. Um halb acht erreichen wir den Messeparkplatz in Brünn. Von dort bringt uns das Tram Nr. 1, oder wie man hier sagt „elektrische Linie“ zum Hauptbahnhof. Ein Ticket bekommt man hier bei der Trafik, einem Kiosk. Wir schlendern durch die Stadt, fangen viele schöne Eindrücke ein und finden nebenbei den einen oder anderen Geocache. Besonders eindrücklich ist der Blick vom 84 m hohen Turm der St. Peter und Paul Kathedrale auf die Stadt. Auch der Spielberg bietet einen schönen Blick auf die Stadt. Nicht verpassen sollte man den Kohlmarkt, das alte Rathaus mit dem Krokodil, die St. Jakobkirche sowie zahlreiche Statuen und Brunnen. Wer mag, kann noch eine 50-minütige Tour durch den Untergrund buchen. Man sieht den stattlichen Gebäuden an, dass Brünn früher ein wichtiger Handelsort war.


Brno (Brünn)

Blick vom Turm der Kathedrale
 
Gegen 16 Uhr sind wir zurück beim Womo und planen die nächsten Schritte. Wir beschliessen, noch etwas westwärts zu fahren. Wir finden auf unserer App einen schönen Camping in Opatov. Nach knapp drei Stunden über Landstrassen erreichen wir ein verschlafenes Bauerndorf. Der angekündigte See ist nicht zu sehen, auch kein Schild zum Camping. Also fahren wir mal rechts ran und studieren die Karte. Da gibt’s doch tatsächlich zwei Ortschaften mit demselben Namen! Und wir landen natürlich beim Falschen in der totalen Pampa. Schon etwas müde suchen wir notgedrungen eine Alternative in etwa 30 Minuten Entfernung. Das schaffen wir auch noch.

Als wir in Horní Dubenky ankommen sind wir völlig überrascht. Der Camping besteht aus einer Grünfläche mit 10 Plätzen bei einem Bio-Bauernhof. Der Bauer versorgt gerade die Geissen und ihre Jungen, führt uns dann in seine Wohnung, wo er das Büro hat und ist sehr hilfsbereit und freundlich. Er kommt auch am nächsten Tag extra vorbei um zu fragen, ob alles in Ordnung sei. Wir sind mehr als zufrieden. Die Sanitärräume sind sauber und ziemlich neu, es gibt sogar einen Aufenthaltsraum sowie eine Küche, die man benutzen darf.

Wir beschliessen, eine Nacht zu verlängern, und geben dafür gerne nochmals 12 Euro aus. So geniessen wir den Sonntag und erledigen etwas Schreibarbeit.

viel Platz für uns alleine

Montagmorgen, wir erwachen wie immer früh und machen unser Womo startklar, der Bauer und Gastgeber kommt extra aus der Scheune, um uns zu verabschieden und dann sind wir wieder auf der Landstrasse. 20 Minuten später stehen wir auf einem grossen Parkplatz in Telc. Eine Empfehlung des Campingbetreibers. Und er hat nicht übertrieben. Das Städchen, übrigens Kulturdenkmal des Unesco-Erbe, präsentiert sich mit prächtig verzierten Häusern und einem beidseitigen Bogengang am Hauptplatz. Das gibt schöne Bilder! Wir kaufen uns Brot in einem Krämerladen und geniessen anschliessend unser Zmorge im Womo.


weite Felder

Telc - Unesco-Weltkulturerbe

Laubengänge

Den einsetzenden Platzregen nutzen wir zur Weiterfahrt. Nach eineinhalb Stunden erreichen wir Krumlov, eine ebenfalls von der Unesco ausgezeichnete Stadt. Wir sind beeindruckt vom Panorama, das wir vom Schloss aus über die Dächer haben. Auch die herausgeputzten mittelalterlichen Gassen sind eine Augenweide. Wenn nur nicht die Scharen von Besuchsgruppen wären... Ein Durchkommen ist zeitweilig kaum möglich. Bis da jeder sein Selfie gemacht hat... In einer Pizzeria geniessen wir ein Mittagessen, als erneut ein Platzregen über die Stadt fegt. Kurz darauf scheint wieder die Sonne, und wir können einmal mehr unsere Kamera mit schönen Bildern füllen.


Krumlov

malerische Gassen

Mantelbrücke beim Schloss
 
Nun haben wir noch eine 30minütige Strecke vor uns, bis wir entlang des Lipno-Stausees in Lipno ankommen. Ein Freizeitpark mit grossem Angebot. Leider auch einem Lunapark, der den riesigen Parkplatz und Gratis-Stellplatz bis in alle Nacht hinein mit Techno-Musik beschallt. Aber egal, wer müde ist, kann überall schlafen.

Am nächsten Morgen wartet auf uns ein Unterhaltungsprogramm. Pünktlich um 09:30 Uhr kaufen wir unsere Tickets für 670 Kronen (= CHF 33.50) für zwei Personen. Die Gondel führt uns auf den Berg. Von dort startet der Baumwipfelpfad mit lehrreichen sowie spielerischen Stationen. Von ganz oben hat man einen herrlichen Rundumblick. Die Wolken haben sich verzogen, die Sonne scheint wieder. In der Mitte des Turmes kann man mit der Rutschbahn in einer sich dreifach drehenden Spirale nach unten sausen. Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Ein lustiges Spektakel! Bevor der grosse Touristenstrom den Turm überflutet, sind wir auch schon wieder auf dem Weg nach unten. Nach einem feinen Zmittag (Teigwaren mit Sauce, dazu bunter Salat) geht’s definitiv zurück nach Österreich, wo wir uns wieder auf Deutsch unterhalten können. Hier in Tschechien lernt man in der Schule Englisch, und beim Einkaufen in den Geschäften haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Bewohner gerne in Englisch Auskunft geben. Deutsch allerdings ist hier in den Gebieten Böhmen und Mähren definitiv vorbei.


Baumwipfelpfad Lipno


Innenturm mit Rutschbahn


Mit einem Schlenker über Linz, wo wir einen Geocache besuchten, erreichen wir gegen Abend Freilassing. Der dort ausgeschilderte Parkplatz haben wir über eine App gefunden. Von hier aus hat man optimale Zugverbindungen nach Salzburg. Nach und nach trudeln weitere Womos ein. Wir sind müde und gehen früh schlafen. Um 01:30 Uhr stellt sich noch ein Gefährt direkt neben uns hin. Die Nacht verläuft weniger ruhig als erhofft, und bevor sich der Parkplatz noch mehr füllt, beschliessen wir spontan, diesem Rummel zu entfliehen und Salzburg sausen zu lassen. Uns ist mehr nach Ruhe zumute. Unsere App zeigt uns einen schönen Stellplatz in Bernau am Chiemsee. Diesen erreichen wir eine knappe Stunde später. Noch ist kein Platz frei, aber der nette Stellplatzbetreiber erlaubt uns, im Eingangsbereich stehen zu bleiben. Einige Abreisen stehen bevor, so bekommen wir bald einen schönen Platz. Die Zeit bis dahin nutzen wir für den Einkauf von frischen Brötchen und geniessen zurück auf unserem Platz ein ausgedehntes spätes Frühstück. Zwei Plätze weiter steht ein baugleicher Knaus. Mit den Besitzern kommen wir dadurch schnell ins Gespräch und können gegenseitig von den Erfahrungen profitieren. Für den Rest des Tages liegen wir faul rum und geniessen die Ruhe. Was für eine Wohltat!

Am nächsten Tag packen wir unsere Falträder aus und radeln zum Chiemsee, den wir ein Stück umrunden. Bei einem Strandbad legen wir eine Pause ein und geniessen die schöne Uferanlage. Auf gleichem Weg geht's dann zurück. Für den Rest des Tages ist wieder Faulenzen angesagt.

Am nächsten Morgen führt uns der Morgenspaziergang einmal mehr zum Bäcker. Nach einem feinen Zmorge machen wir uns bereit und fahren heimwärts. Zwanzig Minuten später sind wir auf Höhe Rosenheim, wo wir auf die Inntalautobahn wechseln. Es hat wenig Verkehr, und wir kommen gut vorwärts. Gegen Mittag sind wir am Arlberg. Wir wählen die Passstrasse. Auf der Höhe angekommen, gibt’s ein kleines Mittagessen (Reste von gestern). Im Laufe des Nachmittags kommen wir dann wieder zu Hause an. Alles ist gut gegangen, wir haben viele Eindrücke gewonnen. Landschaftlich waren alle bereisten Länder im Osten Europas sehr reizvoll und haben uns gut gefallen.

Mittagspause auf dem Arlbergpass


Wo wir waren? Hier gehts zur Übersichtskarte.