Mittwoch, 31. Juli 2019

Ausflug mit dem Dampfschiff nach Mariefred

Heute geht's mit dem Auto ein paar Kilometer durch den Wald, bis wir unvermittelt an einem Steg stehen. Und tatsächlich, einige Zeit später sehen wir das Dampfschiff von Stockholm her kommen. Laut hupend legt das 1903 erbaute und von Freiwiligen unterhaltene Schmuckstück an. Der Kapitän, eigentlich bereits Rentner, blickt stolz von der Brücke und begrüsst die neuen Gäste.

Dampfschiff Mariefred

Das anfänglich trübe Wetter bessert sich zusehends, bis wir nach gut einer Stunde in Mariefred anlegen. Schon von weitem sichtbar sind die Kirche und das Schloss Gripsholm, bekannt aus dem Roman von Kurt Tucholsky.

Rauchend liegt das Dampfschiff im Hafen, und gleich daneben steht die Museumseisenbahn, ebenfalls ein rauchendes Ungetüm. Eine Tafel informiert darüber, dass es nirgendwo sonst möglich ist, ein Dampfschiff und eine Dampfeisenbahn gleichzeitig auf ein Foto zu bringen.

Dampfschiff und Museumsdampfbahn am Hafen

Museumsdampfbahn

Bahnhof Mariefred

Wir schlendernd durch die Gassen und geniessen die Atmosphäre des Ortes.

Alter Stadtkern

Vorbei an der Orangerie stehen wir schliesslich vor dem Schloss Gripsholm, umrunden dieses und erkunden dann den Innenhof sowie einige Räume.

Orangerie

Schloss Gripsholm

Seitenansicht

Kellergewölbe

Innenhof

Der Nachmittag geht schnell vorbei, und das Schiff bringt uns wieder zurück. Vom Deck aus kann man in den Maschinenraum blicken. Als ich dem Heizer begegne, lädt mich dieser freundlich ein, ihm zu folgen. Vom Maschinisten bekomme ich dann eine detaillierte Beschreibung auf Englisch über die genaue Funktionsweise der Maschinen. Ich staune über die blitzblanken Teile.

Die beiden Öfen wollen mit Kohle gefüttert werden

Dampfmaschinen


Dienstag, 30. Juli 2019

Besuch bei Freunden

In Säter, südlich von Nyköping und nur wenige Kilometer östlich vom Kolmarden-Zoo, finden wir einen gemütlichen Stellplatz direkt am Meer und einem Fjord. Gleich neben dem Stellplatz befindet sich die Fähre ans 1 km entfernte Ufer. Auch ein gemütliches Café mit einem netten Betreiberpaar gehört zum Stellplatz. Wir geniessen das warme Wetter, schauen den badenden Gästen und der unermüdlich pendelnden Fähre zu.

Stellplatz bei Säter, südlich von Nyköping

Nach diesem wundervollen Tag am Meer zieht es uns heute weiter nordwärts. In Nyköping machen wir einen Halt am Hafen, wo wir unser Womo ver- und entsorgen, d.h., wir werden das gebrauchte Wasser los, ebenso können wir das Chemieklo entleeren und bunkern dafür Frischwasser. So sind wir bereit für einige weitere Tage freistehen.

Wir haben es heute nicht eilig, da unsere Tagesetappe nur gut 45 Minuten dauert. So geniessen wir ein ausgiebiges Zmorge am Hafen.

Am Hafen von Nyköping

Später stoppen wir nochmals in Södertälje, wo wir bei einem Max-Restaurant einen schattigen Platz finden. Max ist die Schwedische Alternative zu McD., und die Burger sind wirklich seeehr fein. Was uns auch gefällt: hier gibt es keinen Karton, alles wird in dünnen Papiertüten serviert. Und das Beste: die Abfälle werden in verschiedenen Behältern getrennt für ein hoffentlich späteres Recycling.

Nun zieht es uns aber auf die Halbinsel Enhörna, wo unsere Freunde auf uns warten, und wir werden die nächsten Tage hier verbringen. Die Siedlung, in der fast nur Familienmitglieder wohnen, erreicht man nach einem etwa 2 km langen Schotterweg durch den Wald. Das Haus unserer Freunde steht mitten in einer Waldlichtung. Nur das Gelände wurde von Bäumen und Sträuchern befreit.

Der Weg zum Weiler

Das Haus unserer Freunde mit grossem Garten

Nach dem Znacht gibts noch einen kleinen Verdauungspaziergang zum Bootshaus am See, wo wir den Sonnenuntergang geniessen.

Steg am Bootshaus

Die beiden Töchter der Familie sind ebenfalls hier in den Ferien; die eine mit Ehemann, die andere mit ihrem zweijährigen Sohn, da ihr Mann arbeiten muss. So fallen die Essenszeiten immer sehr ausgiebig aus. Es wird viel geplaudert, und wir geniessen die feine Schwedische Küche. Der Sohn mit Familie wohnt in deren eigenem Sommerhaus in Blickdistanz etwa zweihundert Meter entfernt, und auch sie (oder meist die Jungs) schauen oft vorbei.

In gegenseitigem Interesse verbringen wir den nächsten Vormittag mit Geocaching. Wir möchten ein paar Dosen finden, unsere Gastgeber möchten das Spiel kennenlernen. So kommen wir an interessante Orte. Eine kleine Wanderung führt uns auf einen Hügel mit toller Aussicht auf den Mälarensee, den drittgrössten See des Landes. Von hier oben könne man das Silvesterfeuerwerk von Stockholm wunderbar beobachten, wird uns berichtet.

Aussicht vom Hügel

Nach dem Abendessen werden wir ausgeführt. Dazu fahren wir etwa zwei Kilometer durch den Wald und über die Felder, bis wir an einem Fussballfeld ankommen. Hier ist bereits das halbe Dorf versammelt. Während der zwei Monate dauernder Sommerferien organisiert der Dorfverein jeden Dienstag Abend ein Brennball-Spiel, an dem sich Kinder und Erwachsene beteiligen. Es ist ein fröhliches Spiel ohne strenge Regeln. Nach einer Stunde ist das Spektakel vorbei, und bereits wenige Minuten später liegen Würste auf dem Grill.


Bereit zum Abschlag

Hier in Schweden ist man nicht nur sportlich, sondern auch kreativ. Da die Kids zwei Monate Sommerferien haben, müssen diese auch beschäftigt werden. Der Neuseeländische Schwiegersohn unserer Freunde hat daher mit sämtlichen Kids und freiwilligen Erwachsenen letztes Jahr einen Film gedreht. Es ging dabei um die Entführung eines Hundes. Auch dieses Jahr wurde ein Video gedreht, und alle sind gespannt auf den fertig geschnittenen Streifen, der bald auf Youtube zu sehen sein wird.


Sonntag, 28. Juli 2019

Götakanal bei Söderköping

Ziel des heutigen Ausflugs ist der Götakanal, der von Mem an der Ostküste über Söderköping, Linköping, Karlsborg und Töreboda fliesst, bis er bei Sjötorp in den Vänernsee mündet und weiter nach Göteborg führt.

Schon am Vorabend waren wir in Mem und haben uns dort den Ort am Hafen sowie die Schleuse angeschaut.

Das Boot fährt in die Schleuse

Der Götakanal ganz im Osten bei Mem

Heute früh nun schauen wir uns das Teilstück bei Söderköping genauer an. Zu bestaunen gibt es nicht nur eine Schleuse, auch die Hauptverkehrsachse E22 wird zu jeder vollen Stunde gesperrt. Dann wird ein Teilstück der Strasse wie bei einer Zugbrücke hochgezogen, sodass die Boote passieren können.

Kurz vor 10 Uhr steht ein Boot bereit

Die Strasse wird angehoben

Die unterbrochene Strasse

Kaum sind die Boote passiert, senkt sich die Strasse, und nach wenigen Minuten rollt der Verkehr wieder über die Brücke.

Natürlich schauten wir uns auch noch Söderköping an. Eine der besterhaltenen mittelalterlichen Städten Schwedens mit einem alten Stadtkern und Gassen aus Kopfsteinpflaster. Besonders imposant ist der separat stehende hölzerne Glockenturm der St. Laurenti Kirche.

Glockenturm der St. Laurenti Kirche

Aber auch die schmucken Holzhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert beeindrucken.

Blumiger Vorgarten

Schöne Gasse voller Stockrosen

Im Stadtzentrum spazieren wir noch durch den Rosenpark. Für Besucher stehen hier eine Schaukel sowie drei Hängematten bereit.

Reizvoller Rosenpark mit Gelegenheit zum Entspannen

Bevor es weitergeht, entdecken wir noch die Treppenstufen hoch zum Ramunderberg. Nach 287 Stufen und 70 Höhenmetern haben wir den Aufstieg geschafft und werden mit einer schönen Aussicht belohnt.

Der Aufstieg

Die Aussicht

Zurück wählen wir den Weg dem Kanal entlang, der übrigens einige Meter höher als die Stadt liegt und entdecken unterwegs noch diese witzige Kunst.

Hasenkunst

Blick von der Stadt hoch zum Kanal


Samstag, 27. Juli 2019

Michel aus Lönneberga

Wer kann sich noch an ihn erinnern, den Michel aus Lönneberga? Dieser Lausebengel aus unseren Kindertagen hat uns manchen Sonntagnachmittag versüsst mit seinen Streichen.

Hier in Katthult wurde das Filmteam in den 70-er Jahren fündig, als sie einen Hof suchten, der den Beschreibungen von Astrid Lindgren am nächsten kam.

Das Wohnhaus war damals zu modern, denn die Geschichte spielte um ca. 1910 und wurde daher nur für die Aussenaufnahmen genutzt. Aber die übrigen Gebäude konnten für die Filmszenen verwendet werden, ebenso wurden die landwirtschaftlichen Geräte und Tiere an den Drehtagen ausgeliehen.

Heute wohnt eine Familie im Hauptgebäude, aber die übrigen Häuser und das Gelände sind frei zugänglich.

Auf dem Weg zum Hof

Das Wohnhaus

Die Kammer von Knecht Alfred

Im Tischlerschuppen musste Michel jeweils über seine Streiche nachdenken und schnitzte dabei viele Figuren.

Der Tischlerschuppen

An der Fahnenstange zog Michel einmal seine Schwester Klein-Ida hoch.

Fahnenstange

Der Schweinestall

Alles ist noch wie früher

Übrigens: Der Lausejunge aus Astrid Lindgrens Geschichte heisst im Schwedischen Original Emil. Da aber im Deutschsprachigen Raum das Buch "Emil und die Detektive" bereits bekannt war, gab man ihm kurzerhand den Namen Michel.

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Das war aber noch nicht alles für heute. Im nahegelegenen Vimmerby ist Astrid Lindgren geboren und aufgewachsen. Noch heute kann man hier ihr Geburtshaus besichtigen, das inzwischen ein Museum ist. Hier fand sie Inspiration für ihre Geschichten wie "Pippi Langstrumpf", "Ronja, die Räubertochter", "Wir Kinder aus Bullerbü" und viele weitere.

Natürlich hat man ihr auch ein Denkmal gesetzt.

Etwas ausserhalb von Vimmerby befindet sich der Freizeitpark "Astrid Lindgrens Welt". Hier sind die berühmten Orte wie die Villa Kunterbunt oder das Haus von Karlsson auf dem Dach nachgebaut. Während der Sommermonate unterhalten Schauspieler mit nachgestellten Begebenheiten die Besucher. Für Familien mit Kindern sicher ein tolles Erlebnis. Wir entscheiden uns dagegen und schlendern lieber durch das beschauliche Vimmerby.

Spielplatz im Zentrum von Vimmerby

Astrid Lindgren-Denkmal

Beschauliche Gassen

Wir staunen immer wieder über die liebevoll gestalteten Vorgärten und die hübsch bemalten Holzhäuser.

Alles so sauber und bunt

Der Bücherkiosk ist eine umgebaute Telefonzelle. Leider konnten wir uns nicht bedienen - alles war nur auf Schwedisch ;-)

Offener Bücherschrank

Nach so vielen Erlebnissen aus unserer Kindheit brauchten wir etwas Ruhe und finden etwas ausserhalb von Söderköping einen ruhigen Wanderparkplatz zum Übernachten.

Freitag, 26. Juli 2019

Waschtag in Ädelfors

Wir geniessen einen Tag am Waldsee mit Baden und Faulenzen.

Bade- und Übernachtungsplatz am See

Irgendwo da draussen schwimmt Erwin

Abendstimmung

Am nächsten Morgen geht es etwa eine Stunde westwärts, denn es ist Waschtag angesagt. Nicht etwa Kleider oder Geschirr, sondern Sand. An unserem Ziel, in Ädelfors, gibt es nämlich eine Goldgrube. Dort wurde 1737 erstmals in Schweden Gold gefunden, und auch heute noch kann man hier mit etwas Glück fündig werden.

Eingang zur Goldgrube

Wir besorgen uns also die Tickets und werden pünktlich um 10 Uhr von einem Ranger in die Kunst des Goldwaschens eingeführt. Als erstes tauschen wir unsere Schuhe gegen Gummistiefel aus. Dann gehen wir an ein Übungs-Waschbecken, bekommen eine Schüssel mit Sand in die Hand gedrückt und müssen nun mit Schwenkbewegungen immer wieder Material aus der Schüssel schwemmen, bis nur noch etwa ein Teelöffel feiner Sand zurückbleibt. Nun sollen wir mit Hin- und Herbewegungen diesen nochmals sorgfältig ausschwemmen. Der grosse Moment nach etwa 20 Minuten Arbeit ist da: Wenn man genau hinsieht, kann man im besten Fall etwas glitzern sehen. Dieses Körnchen wird noch restlos von Sand befreit, mit dem Finger aufgenommen und in ein vorbereitetes, mit Wasser gefülltes, Röhrchen befördert.

Die nächste Lektion besteht darin, ein Siebkörbchen zu fassen, damit in die Grube zu gehen und ein paar Schaufeln voll Material einzusammeln.

Wo soll ich graben?

Nun schleppt man das Grobgestein zu einer Waschstation und trennt hier die groben Steine vom feineren Material. Damit ist man für die eigentliche Aufgabe - wie in der ersten Lektion gelernt - bereit.

Ausgangsmaterial

Von groben Steinen befreit

Am Rand des Geländes ist ein längliches Becken angelegt, gefüllt mit etwa 20 cm Wasser und am Rand mit Sitzgelegenheiten versehen. Jeder sucht sich nun einen Platz und beginnt mit dem Auswaschen. Hin und wieder kann man einen leicht unterdrückten Jauchzer hören. Übrigens, ganz rechts aussen sitzen die Profigoldwäscher. Von denen hört man nichts. Sie sind verbissen und hochkonzentriert bei der Arbeit und lassen sich einen Fund nicht anmerken.

Schwenken, schwenken, schwenken

Alle machen mit

Um die Mittagszeit werden die Arme langsam etwas lahm, und wir gönnen uns im Klondyke-Restaurant einen Burger mit Pommes und Salat.

Frisch gestärkt geht es am Nachmittag weiter. Für einen Durchgang muss man etwa 30 Minuten rechnen, und wir hatten fast jedes Mal ein Körnchen Gold Ausbeute. Das gab dann immerhin ein paar kleine Krümel.

der Ertrag eines ganzen Tages

Der Ertrag ist kaum der Rede wert, aber wir hatten eine Menge Spass dabei, und wir können dieses Abenteuer nur jedem empfehlen.