Von unseren Schwedischen Freunden haben wir mal einen kunstvollen Leinen-Tischläufer erhalten. Da die Firma fast auf unserer Strecke liegt, wollen wir diese besichtigen. Wir haben im Internet gesehen, dass es einen Fabrikladen und wohl auch eine Besichtigungsmöglichkeit gibt.
Der Weg führt uns einmal mehr durch Dörfer und Wälder, bevor eine unscheinbare Strasse links an ein paar Häusern vorbei in einem grossen Parkplatz scheinbar mitten im Wald endet. Daneben sehen wir ein einstöckiges Fabrikgebäude. Von aussen nicht spektakulär, und wir sind gespannt, was uns erwartet. Zuerst erstaunt uns das separate WC-Gebäude mit Empfangshalle und ausgestellten historischen Apparaten und Bildern zur Geschichte der 1920 gegründeten Unternehmung Klässbols. Gleich daneben drei Picknickplätze.
Wir betreten das Gebäude und stehen in einem grossen Fabrikladen, der sehr geschmackvoll dekoriert ist und eine riesige Auswahl an Geschirrtüchern, Tischtüchern, Kissen, Bettbezügen und sogar Kleidern bietet. Und das alles in Leinen. Im Raum nebenan die 2.-Qualität, und ganz hinten kann man hinter einer Glastüre in die Fabrikation blicken. Wir staunen nicht schlecht, als wir die Hinweistafel sehen, dass man sich einen Gehörschutz nehmen soll und dann durch die Produktion gehen kann. Gleich als erstes fallen uns die wohl schon sehr alten, aber soliden Webstühle auf, alle mit dem Signet "Rüti", also Schweizer Maschinen der Firma Sulzer in Rüti.
Nur wenige Arbeiter sind zu sehen, alles läuft automatisch und muss nur überwacht werden. Nur beim Umbau eines Prozesses wird der Maschinist aktiv. Programmiert sind die Webmuster auf Lochstreifen. Es rattert durch die Fabrikhalle, und es ist spannend zu beobachten, wie die Stoffe mit den verschiedenen Mustern entstehen.
 |
| Lochstreifen |
 |
| Typisches Klässbols-Muster |
 |
| Die Fabrikhalle |
 |
| Webstuhl |
 |
| Modernere Anlage |
 |
| Kollektion von Tischsets |
 |
| Der Fabrikladen |
Wir setzen unsere Reise fort, und nach etwa 1,5 Stunden sind wir am
Dalslandkanal. Hier wartet eine architektonische Besonderheit auf uns.
Schweden ist übersät mit Seen. Doch nicht alle Gewässer sind auf derselben Höhe über Meer. Wenn nun zwei Seen mit einem Kanal verbunden werden, braucht es dafür Schleusen. Diese konnten wir schon vor einigen Tagen am Götakanal bewundern.
Der
Håverud-Aquädukt am Dalslandkanal ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst aus dem Jahr 1868. Hier werden die Schiffe nicht nur über Schleusen geführt, sondern auch über einen Aquädukt, also sozusagen über eine mit Wasser gefüllte Brücke. Gleich darüber führt die Eisenbahn vorbei, und ganz oben ist die Strassenbrücke. Also eine geballte Ladung an Transportwegen kreuzen sich hier.
Wir nähern uns von ganz oben, parken unser Womo auf dem dafür vorgesehenen Platz und verschaffen uns einen ersten Blick. Über Treppen und Felsblöcke klettern wir langsam hinunter. In diesem Moment gleitet ein Ausflugsschiff über den Aquädukt, und wir können mitverfolgen, wie es durch insgesamt drei Schleusen auf die unterste Ebene befördert wird. Zu Fuss begleiten wir das Boot, bis wir vor einer Brücke stehen. Doch eben kommt die Schleusenwärterin vorbei und lässt eine Barriere vor uns herabfallen. Dann macht sie sich an einem Bedienelement zu schaffen, und im nächsten Augenblick gleitet die Brücke vor uns auf die Seite - das Schiff passiert diese Stelle und ist wenig später auf dem See, um seine Reise fortzusetzen. Auch wir können bald über die Brücke, nachdem die Schleusenwärterin diese wieder an ihren Platz befördert und die Barriere geöffnet hat. Für uns ein spannendes Spektakel.
 |
| Wasserkanal und Eisenbahnbrücke |
 |
| Ein Schiff passiert den Aquädukt |
 |
| Die Fussgängerbrücke wird zur Seite geschoben |
 |
| ... und ist bald wieder an ihrem ursprünglichen Platz |
 |
| Bootskanal und Fahrzeugbrücke |
 |
| Bootskanal und Eisenbahnbrücke |
 |
| Drei Transportwege übereinander |
 |
| Zug und Boot |
 |
| Blick von oben |
Nachdem sich noch drei andere Womos zu uns gesellt hatten, beschliessen wir, die Nacht gleich hier zu verbringen. Am nächsten Morgen wollen wir Richtung Göteborg.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen