Mittwoch, 24. Juli 2019

Strandtag auf Öland und Bummel durch Pataholm


Der gestrige Strandtag in Bläsinge auf der Insel Öland ist schnell erzählt. Es war ein bedeckter Tag, eher kühl und windig. So beschliessen wir, einen Ruhetag einzulegen und ihn mit Lesen und Faulenzen zu verbringen. Gegen Abend zeigt sich dann doch noch die Sonne, und wir machen einen kleinen Strandspaziergang.

Abendstimmung

Strandspaziergang

Nun führt uns die Reise weiter nordwärts. Unser Wasservorrat geht zur Neige, und auch das WC sollte demnächst geleert werden. Zuerst aber fahren wir über die Insel zu den fünf Windmühlen von Lerkaka, die in einer Reihe am Strassenrand stehen. Noch heute existieren rund 400 der ursprünglich 2000 Windmühlen auf der Insel Öland, und wir sind etlichen von ihnen begegnet.

Windmühlen von Lerkaka

Zurück auf dem Festland gehen wir in ein grosses Einkaufszentrum, wo wir vor allem über die Auswahl an Milchprodukten staunen.

Und das ist nur das laktosefreie Sortiment

Ein paar Kilometer weiter, auf der Überlandstrasse, finden wir eine Servicestation, an der wir unser Womo ver- und entsorgen können. Sooo, WC-Kassette leer, Wassertank voll. Weiter geht's.

Unseren nächsten Zwischenhalt erreichen wir um die Mittagszeit. Das Hafenstädtchen Pataholm wurde uns von einem Einheimischen empfohlen, den wir am Geocacher-Event in Kalmar kennengelernt hatten. Pataholm besteht aus kaum mehr als einem Dutzend Häusern, das seinen Charakter aus dem 19. Jahrhundert mit viel Liebe zum Detail bewahrt hat. Wir können unser Womo direkt am Hafen abstellen und flanieren durch die kopfsteingepflasterten Strassen des Ortes zum Café Förlig. Es ist nicht nur innen allerliebst dekoriert, auch der Garten im Hinterhof lädt zum Verweilen ein. Die Tische stehen locker verteilt unter den Apfelbäumen, und auch das Geschirr ist bunt zusammengewürfelt. Der Kuchen ist einfach ein Gedicht, und so bleiben wir länger sitzen als geplant.

Pataholm mit Quartierbriefkasten

Pataholm, Hauptgasse

Schön gestaltete Gärten

Café Förlig

Garten des Cafés

Leckerer Kuchen

Hier im Garten sehen wir erstmals eine Midsommerstange aus der Nähe. Die wird an Midsommer mit frischen Blättern und Blumen dekoriert und aufgestellt. Dieses Fest zur Sommersonnenwende Ende Juni müssen wir unbedingt einmal miterleben.

Midsommerstange

Nach etwas einer Stunde Fahrt erreichen wir Farbo, wo uns eine holperige Schotterpiste zu einem Waldparkplatz an einem See führt. Noch hat es hier viele einheimische Badegäste, die sich im Wasser tummeln, aber gegen Abend wird es hier richtig ruhig, und wir verbringen einen wundervollen Abend mitten in der Natur.

Badeplatz

Abendstimmung am See

Lauschiger Übernachtungsplatz im Wald


Montag, 22. Juli 2019

Insel Öland

Wir erwachen früh heute, und schon vor 7 Uhr bin ich mit dem Velo unterwegs. In Kalmar haben wir auf der Karte gerade mal zwei Bäckereien entdeckt. Also radle ich los zum ersten Geschäft. Das hat noch geschlossen, ist eher eine Konditorei und im Regal liegen drei gummig aussehende Brote. Also gehts etwa zwei Kilometer weiter durch die Stadt.

Diese Bäckerei ist nun ein Volltreffer. Eine grosse Auswahl an Broten und sogar kleinen Brötchen sowie leckeren Backwaren. Herrlich, wie das duftet!

Tolle Brotauswahl

Ich wähle ein Parisette, ein kleines, dunkles Körnerbrot sowie als Dessert ein Kanel Bullar, also eine Zimtschnecke.

Schweden will ja das Bargeld abschaffen, und die meisten bezahlen mit Karte oder ihrem Smartphone. Dennoch wird auch in den meisten Geschäften Bargeld angenommen.

Zurück geht's wieder auf den gut ausgebauten Velowegen, die auf den breiten Trottoirs neben den Fussgängerwegen gut markiert sind. Die Fahrradfahrer haben wie auch die Fussgänger generell Vorfahrt, so kommt man zügig und ohne je bremsen zu müssen vorwärts.

Kurz vor unserem Übernachtungsplatz bietet sich mir noch ein schöner Blick auf den alten Wasserturm von Kalmar.


Nach dem feinen Zmorgen verlassen wir die Stadt ostwärts und sind schon bald auf der Ölandbrücke. Das 1972 eingeweihte Bauwerk ist über 6 km lang und vierspurig. Damals war sie die längste Brücke in Europa, heute immer noch die längste Brücke in Schweden.

Anfänglich nur gut 6 Meter über dem Meeresspiegel steigt die Brücke auf beachtliche 41 Meter an und bietet so Schiffen die Möglichkeit, zu passieren.

Es geht rauf

... und wieder runter

Der Blick von der Insel Öland zurück Richtung Kalmar ist ebenfalls beeindruckend.

Ölandbrücke

Der Bogen ist gut zu erkennen

Kaum sind wir auf der Insel ein paar Kilometer gefahren, entdecken wir die ersten Windmühlen. Davon hat es hier eine ganze Menge. Eine davon ist geöffnet, und ich erkunde die historische Mühlenanlage.

Windmühle

Historische Mühle von 1849

Nach etwa 15 Minuten haben wir die Insel von West nach Ost durchquert und finden in Bläsinge einen tollen Stellplatz für ca. 5 Franken die Nacht. Es ist ein Wiesengelände ohne Parzellierung, und jeder stellt sich so hin, wie er mag. Wir ergattern uns ganz zuvorderst am Schilfgürtel ein Plätzchen, keine 10 Meter vom Strand entfernt.

Blick vom Strand zum Womo

Den Nachmittag verbringen wir gemütlich unter der Markise vor dem Wohnmobil oder schlendern am Strand entlang.

Im Wasser sind sehr viele Quallen zu entdecken, einige nur wenige Zentimeter gross, andere fast handtellergross. Diese seien im Gegensatz zu denjenigen an der Westküste absolut ungefährlich, bestätigt uns eine Einheimische. Die Badegäste lassen sich jedenfalls nicht beirren und tummeln sich im recht frischen Wasser. Wir begnügen uns mit dem Waten durch knietiefes Wasser.

Qualle

Am Abend schlendern wir noch zum Hafen.

Hafen von Bläsinge

Noch lange sitzen wir vor dem Wohnmobil und geniessen die Abendstimmung. Während ich etwas auf dem Herd brutzele, freue ich mich über die tolle Aussicht aufs Meer.

Blick aufs Meer

Sonntag, 21. Juli 2019

Elchsafari im Glasreich

Heute fahren wir durch das Glasreich. Hier befinden sich etliche Glasbläsereien, die älteste von ihnen ist Kosta Boda, gegründet 1742. Wir kämpfen uns durch das riesige Outlet-Center und kommen hinter dem Areal auf das eigentliche Firmengelände. Ganz am Ende, beim hohen Kamin, betreten wir die Glashütte.

Zwei Frauen sind gerade dabei, eine Vase herzustellen. Sie sind konzentriert bei der Arbeit. Viele der Arbeitsschritte werden im Team auageübt. Zuerst hält eine von ihnen den Glasklumpen an einem langen Metallstab ins Feuer. Danach formt sie ihn mit einem grossen Löffel. Wieder wird der Stab mit dem Klumpen in den Ofen gehalten, nach etwa einer Minute herausgezogen und über ein paar farbige Glassplitter auf dem danebenstehenden Tisch gerollt, um die Farbtupfer ins Glas zu bringen. Nun hat die Kollegin ihren Auftritt und bläst durch den Metallstab, um die orange glühende Glasmasse vorsichtig zu dehnen. Dieser Vorgang wiederholt sich etliche Male, bis das Werk schliesslich seine endgültige Form erhält. Zum Schluss setzt die Assistentin noch einen weiteren glühenden Klumpen an das eine Ende. Daraus wird nun der Fuss geformt.

Was mit scheinbarer Leichtigkeit geschieht, ist in Wirklichkeit Schwerstarbeit. Diese beiden Frauen haben uns daher mächtig beeindruckt.

Beim nächsten Durchgang werden die Rollen getauscht, und es entstehen so immer persönlich geprägte Einzelstücke.

Der Werkplatz

Glassplitter ergeben das Muster

vorsichtig pusten

nochmals pusten

Das Werk ist fast fertig

Feinschliff

Im Fabrikladen ist die Auswahl gross, und trotz Outlet sind die Preise beträchtlich. Kennt man aber den grossen Arbeitsaufwand dahinter und die Handwerkskunst, die dazu nötig ist, relativiert sich der Preis. Wir besitzen bereits einen wunderschönen Kosta-Schneeball als Kerzenhalter, so verzichten wir auf einen weiteren Einkauf.

Wenig später sind wir bereits wieder auf der Landstrasse. Diese führt auf gut ausgebauten Strassen kilometerweit durch Birken- und Kiefernwälder. Nach etwas 30 Minuten biegen wir rechts in einen etwas besseren Trampelpfad ein, wo wir kurz darauf unser Fahrzeug auf einem grossen Kiesplatz abstellen. Wir sind im Elchpark von Nybro. Am Ticketschalter beziehen wir unsere Safaritickets für je ca. 15 Franken sowie zwei Elchburger. Mit dem Essensbon müssen wir in die danebenliegende Holzhütte, wo ein Grillfeuer brennt. Wir bekommen unsere rohen Burger und müssen diese selber über dem Feuer grillen. Eine clevere Methode, die recht hohen Restaurantkosten tief zu halten und den Gästen erst noch ein zusätzliches Erlebnis zu bieten. Dazu gibts Kartoffelsalat und etwas Vitamine.

Selbst ist der Koch

Das fertige Werk

Kurz vor 13 Uhr stehen wir am Startpunkt der Safari. Der Traktor mit den drei Anhängerwagen steht bereits da. Wir dürfen nun in die Wagen klettern und Platz nehmen. Dann geht's auch schon los. In gemächlichem Tempo schaukelt diese Karawane in den Wald. Schon nach kurzer Zeit hört man vorne aufgeregte Rufe. Die ersten Elche sind gesichtet. Jetzt können wir nur hoffen, dass wir sie mit dem röhrenden Traktor nicht erschrecken.

Der Traktor mit drei Anhängerwagen

Die ersten Elche sind entdeckt

Vorsichtig nähert sich die Wagenkolonne und bleibt schliesslich stehen. Der Ranger steigt aus. In der Hand hält er einen Büschel Birkenzweige. Damit kann er einen der Elche locken und führt ihn zu den Wagen. Ein zweiter Elch folgt ihm. Inzwischen hat jeder von uns einen Zweig bekommen, und so können wir den Elch füttern, streicheln und fotografieren. Ein unglaubliches Erlebnis! 

Der Ranger und ein Jungtier

Die drei erwachsenen Tiere seien bis 650 kg schwer, weiss der Ranger zu berichten.

Erwin beim Füttern des Elchs

Auch mein Büschel wird gerne geknabbert

Das Fell fühlt sich etwas borstig an

Nachdem sich alle sattgesehen haben, fahren wir weiter und können die Tiere noch einige Male beobachten.


Dieser Besuch hat sich echt gelohnt! Ich empfand diese Safari abenteuerlicher, als die Tiere in einem der vielen Parks hinter Gitter anzuschauen.

Nun wird es aber Zeit, weiterzufahren. Nach gut einer Stunde erreichen wir Kalmar, eine uns bis dahin unbekannte Stadt. Sie ist aber eine der ältesten Städte Schwedens und war früher ein wichtiger Handelsplatz.

Domkirche

Domkirche im Abendlicht

Wir schlendern durch die schachbrettartig angeordneten Altstadtgassen. Überall sitzen die Einheimischen an der Sonne, in einem Café oder auf einer Bank und geniessen das milde Wetter. Auch wir entdecken im Park neben unserem heutigen Übernachtungsplatz eine besonders bequeme Parkbank.

Parkbank mit Fussschemel

Am Abend treffen wir uns beim Grillplatz in einem Park am Ufer des Wassers zu einem Geocaching-Event. Ein Norweger hat dieses Treffen organisiert. Neben ein paar Einheimischen kommen auch noch zwei Deutsche. So einigen wir uns bald auf Englisch.

Wir sind beeindruckt, wie gut die Schwedener ausgerüstet sind. Klappstuhl, ausziehbare Gabel, um die Wurst über den Grill zu halten und jede Menge Würste. Manche verdrückten drei Stück ohne was dazu. Andere packten sie in ein Brot als Hotdog oder sie grillten Burger. Gemüse oder Salat war nicht dabei. Da fielen wir mit unserem Rüeblisalat und den Peperonistreifen schon ein wenig auf.


Wir wurden mit vielen nützlichen Tipps eingedeckt, was wir unbedingt anschauen müssen. Im Gegenzug wollten sie auch einiges über die Schweiz wissen. Trotz kurzem Platzregen war es ein richtig gemütlicher Abend.

Unser Übernachtungsplatz finden wir nur wenige huntert Meter davon entfernt am Sportzentrum. Hier können wir kostenlos und direkt am Wasser übernachten.



Samstag, 20. Juli 2019

Ales Stenar und Ystad

Frühmorgens verlassen wir den schönen Stellplatz am südlichsten Zipfel von Schweden und fahren rund 40 Minuten ostwärts, umrunden die Hafenstadt Ystad und erreichen unser Ziel noch vor 9 Uhr. Das Womo stellen wir am riesigen Parkplatz in Kaseberga ab und gehen die gut 1 km zu Fuss auf die Klippen. Schon vor 16 Jahren waren wir hier, damals um die Mittagszeit und daher von Touristen bevölkert, heute sind wir (noch) die einzigen Gäste.

Plötzlich ragen sie vor uns auf, die mit 67 Metern Länge und 19 Metern Breite die grösste Schiffssetzung Schwedens. Die 59 Steine sind zwischen 0,5 bis 1,8 Tonnen schwer und in Form eines Schiffes angeordnet. Ob es sich um einen Sonnenkalender handelt, ist unklar, wahrscheinlich ist es eher eine Grabanlage, da entsprechende Funde gemacht worden sind. Beeindruckend ist das über 3000 Jahre alte Bauwerk allemal.

Käseberga




Ales Stenar

Noch bevor die grossen Touristenströme kommen, sind wir bereits wieder unterwegs und finden im Zentrum von Ystad einen guten Parkplatz. Wir bummeln durch die Gassen und kommen als erstes gleich mal bei Fridolfs Konditori vorbei, bekannt aus den Wallander-Krimis.


Die schönen Fachwerkhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert beeindrucken uns. Die Stadt verfügte schon früh über eine freiwillige Feuerwehr. Dadurch konnten viele Brände verhindert werden.





Stadtweiher neben dem Kloster

Das Franziskanerkloster wurde 1258 gegründet und ist eines des besterhaltenen mittelalterlichen Klosteranlagen in Schweden. Der Rosengarten ist wunderschön angelegt.


Klostergarten

Gegen Mittag kommen wir an einem Stadtweiher vorbei, und gleich dahinter entdecken wir eine hübsche Gartenwirtschaft. Wir genehmigen uns das Schwedische Standardmenü: Köttbullar (Fleischbällchen) mit Pommes. Die Gemüsebeilage entpuppt sich als süsses Preiselbeerkompott.

Gartenwirtschaft

Kötbullar

kreative Dekoration